Dramaturgie
 

Skizze zur Konzeption des Bühnenbildes
 - Zeichnerische Umsetzung Bernhard Geil -

Das Bild zeigt den Blick über die Zuschauerränge auf die Aula-Bühne im Hintergrund.
Im Vordergrund - zwischen den Säulen - das Volk (Chor), also: Bettelweiber, Huren, Zuhälter, Bettler, Zuhälter und Gangster.
 Sie bilden auch den Abschluss der Bühne,
einen Kreis beschreibend, der den Zuschauer einschließt.
Die Podeste vor der eigentlichen Bühne dienen dazu,
den Aktionsraum der Darsteller zu erweitern
und ins Publikum hinein zu verlagern.

Zur Dramaturgie, Inszenierung, Regie

In der  Bewerbung der Theater-AG beim “14. Bundeswettbewerb Theatertreffen Berlin / Schüler machen Theater” der Berliner Festspiele GmbH für  sind die wesentlichen Elemente der dramaturgischen Konzeption zur Darstellung gebracht:

Theater-AG der                                                                       20.01.94
Kooperativen Gesamtschule
Bad Bergzabern
 

An die
Berliner Festspiele GmbH
Theatertreffen Berlin
Postfach 301648
D-1000 Berlin 30


Sehr geehrte Damen und Herren,


...Wir möchten uns aber nicht lange dabei aufhalten, allgemein über unsere Theaterarbeit zu erzählen, geht doch unser Selbstverständnis aus der nun folgenden Beschreibung unserer Arbeit mit der “Dreigroschenoper” genügend hervor:


“Die Dreigroschenoper” von Bertolt Brecht / Kurt Weill heute auf die Bühne zu bringen, erschien uns von besonderem Reiz, weil sie als unterhaltendes Musiktheater in geistreicher Weise und mit Witz Einfachheit und Tiefgründigkeit, Unterhaltung und künstlerisch-ästhetischen Anspruch miteinander verknüpft: Wie notwendig in einer Zeit, da wir von einer Welt zunehmender Oberfächlichkeit, Vordergründigkeit, Effekthascherei und Show zugedeckt werden, die ihren Ausdruck in den mittlerweile zur alltäglichen, flachen Konsumware verkommenen Medienprodukten und Shows finden!


Welch einen Kontrast bietet da Brechts "Dreigroschenoper"! Nicht nur formal, sondern auch inhaltlich: Sie entlarvt mit den Weill'schen Songs, dem 'Gestus' der Personen und ihren hintergründigen Dialogen nicht nur das "Unechte" und die Vordergründigkeit jener Welt der Oper und Show, in ihr spiegeln sich - ob es da wohl einen Zusammenhang gibt zwischen den Zwanziger Jahren und heute? - in besonderer Weise die aktuellen gesellschaftlichen Probleme, die unsere individuellen Ängste und Unsicherheiten verursachen: Verfall der Werte, Verlogenheit, Gleichgültigkeit und Belanglosigkeit in den menschlichen Beziehungen, Kommunikationsschwäche, Rücksichtslosigkeit und Egoismus.

"Die frühen Stücke Brechts", schreibt Günter Krämer, Intendant beim Kölner Schauspiel, "sind Zustandsbeschreibungen der Zwanziger Jahre und haben doch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt...Sie entwerfen im übertragenen Sinne auch Bilder der Gesellschaft der Weimarer Republik,...die unseren Erfahrungen in der Bundesrepublik in mancherlei Hinsicht nicht fremd sind. In jenen Brechtstücken spielt das Motiv von den großen Städten eine wichtige Rolle: der Großstadt mit ihren Menschenmassen, dem Überlebenskampf, dem verstärkten Anpassungsdruck, der Gleichzeitigkeit des Unterschiedlichsten, der Sprachlosigkeit, ..der Einsamkeit und Vereinsamung."

 

Steckt hinter der geistlosen Anpassung / Nivellierung vielleicht unbewußt Methode, weil man den geistlos angepaßten, willfährigen Konsumenten braucht, der in unserer technisierten Welt auf Effekte und Werbe-Effekte reagieren soll? Wie hintergründig karrikieren Brecht / Weill jene Geistlosigkeit, jene Gefährdung von Kopf und Seele mit ihrem Song:


 Der Mensch ist gar nicht gut
 Drum hau ihn auf den Hut.
 Hast du ihn auf den Hut gehaut
 Dann wird er vielleicht gut.

 Denn für dieses Leben
 Ist der Mensch nicht gut/schlau genug
 Darum haut ihn eben
 Ruhig auf den Hut.



"Die Lyrik <des Menschen in der Masse>" (Boris Singermann) verlangt  - in diesem Sinne verstanden - nach besonderen ästhetischen Darstellungsformen. Was lag näher, als jene 'Masse' selbst zu stilisieren und in Form des Chores als eines, schon vom klassischen griechischen Theater bekannten, wichtigen Funktionselementes miteinzubeziehen - kommentierend und agierend, ganz im Sinne des Brecht'schen Epischen Theaters.

 

Dies ermöglichte nun nicht nur eine reizvolle Kooperation von Theater-AG, Schulchor und Instrumentalgruppe, nein, der 'Kommentar' der Masse, die Kraft, die vom mehrstimmigen Chor in den oft sehr appellativ angelegten Songs ausgeht, eröffneten eine neue Dimension an Dynamik und dialogischer Spannung zwischen Masse - Individuum - Publikum (z.B. "Ihr Herren, bildet euch nur da nichts ein: Der Mensch lebt nur von Missetat allein!), so eindringlich, daß es uns nachgerade verwunderlich erscheint, daß dies bisher unversucht blieb!

 

Die Frage, wie der Chor "bühnentechnisch" einzubinden sei, blieb vor diesem Hintergrund nicht lange offen. Die Lösung drängte sich geradezu auf, hatte doch angesichts unseres Verständnisses der "Dreigroschenoper" in uns die Assoziation/das Bild von Gefängnis und/oder Manege immer deutlichere Formen angenommen, durchaus Kafka'eske ("Auf der Galerie") Züge tragend: die gesellschaftliche Situation,

- widergespiegelt in den umgebenden Gitterstäben eines Gefängnisses, das hinter bröckelnden Mauern sichtbar wird und in dem Maceath später ohnehin landet, das Publikum mittendrin, sich fragend, ob es - gemeinsam mit Maceath - vor oder hinter den Gittern sitzt,


- widergespiegelt aber auch im Zirkusmotiv, die Welt als Arena, mit der sinnigen Rolle des Tiger(!)-Brown als Polizeichef und Peachum, als Zirkusdirektor begreifbar, der die Fäden peitscheschwingend in der Hand hält, auch hier das Publikum Teil der Arena, umgeben vom Chor, der den Kreis dieser Arena beschließt (s. beigefügte Skizze!).


Höhenunterschied und Distanz zwischen Publikumsebene und Bühne sind u.a. durch seitliche Verbindungsstücke zwischen Bühne und den sich anschließenden, nur leicht erhöhten Podesten des Chores aufgehoben. Sie umschließen das Publikum, nur durchbrochen von zwei diagonalen "Laufgängen" zur vorderen Mitte hin, mit anschließendem Aufgang zu einem kreisförmig aus Podesten (in Bühnenhöhe) der Bühne vorgelagerten "Laufsteg" ( Zwischen ihm und der eigentlichen Bühne der "Orchestergraben").


Wie in dem beigefügten Programm ersichtlich, finden unsere Aufführungen zunächst statt am Do. 10. 03.'94, Sa. 12.03.'94 und Di. 15.03.'94.


Entsprechend unserer telefonischen Vereinbarungen vom 15.10.'93 und 10.01.'94 reichen wir eine Video-Aufnahme bis Ende Februar nach, da uns durch die Einbindung des Chores (Mitglieder des Chores und der Band kommen aus dem Gymnasial-, Real- und Hauptschulzweig unserer Schule) und die schwierige musikalische Einstudierung eine noch frühere Aufzeichnung vor dem seit einem Jahr feststehenden Erstaufführungstermin am 10. März organisatorisch nicht möglich ist.


 Mit freundlichen Grüßen

 Die Mitglieder der Theater-AG

     i. A.    Berthold Blaes

Brecht/3GrOper

Die Rollen

Die Musik

Peachum

Macheath

Mackies Gang

Die Huren

Jenny

Das Ende

Die Presse