Die Dreigroschenoper
- Die Presse -

Brecht/3GrOper

Die Rollen

Die Musik

Peachum

Macheath

Mackies Gang

Die Huren

Jenny

Das Ende

Dramaturgie

DIE RHEINPFALZ,12. März 1994

“Die Liebe dauert oder dauert nicht"

Theater-AG der Bad Bergzaberner Gesamtschule mit Brechts „Dreigroschenoper"

Von unserem Redaktionsmitglied Anja Stahler

„Wach   auf,   du   verrotteter Christ! Mach dich an dein sündiges Leben!" Hart und akzentuiert klingt der Morgenchoral des Bettlerkönigs Peachum die Zuhörer vielstimmig aus den Kehlen des rundum postierten Chors an, läßt Empfänglichen die Gänsehaut über den Rücken laufen. Stimmen des Chors und Livemusik verstärken die Sprachgewalt von Bertolt Brechts „Dreigroschenoper" um ein Vielfaches. Daß die anspruchsvolle Musik von Kurt Weill nicht vom Band kommt, sondern live am Rand der Bühne gespielt wird, tut ein Übriges.

Die Idee von Regisseur und Gesamtleiter Bernhard Blaes, Brechts beliebtestes und bekanntestes episches Musiktheaterstück einmal etwas anders zu inszenieren, das Experiment mit den Schülern zu wagen, hat gezündet. Die über ein Jahr dauernde gemeinsame Probenarbeit von Chor, Instrumentalensemble, Band und AG Theater der Kooperativen Gesamtschule Bad Bergzabern sowie der betreuenden Lehrer Heike Borger (musikalische Leitung), Peter Kusenbach und Theodor Schmitt (Orchester-Einstudierung) hat sich gelohnt.
Sicher, es war kein Profi-Theater, was die Akteure aus den Klassen 7-13 da gemeinsam auf die Bühne stellten...Doch mit ihrem Enthusiasmus rissen die Agierenden auf der Bühne das Publikum und auch sich selbst mit.

Allen voran die Solisten: Timo Hecker, der den Zorn des Bettlerkönigs Peachum auf Gangster Mackie Messer stimmlich, schauspielerisch und auch von seiner Statur her sehr glaubhaft und überaus talentiert ausfüllte. An seiner Seite seine Frau Celia, die Nadine Tielebörger gekonnt verrucht in Szene gesetzt. Es ist bekannt; Die beiden wollen Mackie Messer hängen sehen, weil er ihre Tochter Polly geheiratet hat, und bringen die Huren dazu, ihn zu verraten...

Sehr gut besetzt auch Ines Höltje und Michael Jurewicz
als naiv liebende Polly und gerissener Mackie Messer,
die besonders in der „Brautliedszene" nach ihrer Hochzeit anrührend zusammenspielten und das Gefühl aufblitzen ließen, das „die Verhältnisse" nach Brecht eben nicht zulassen: „Die Liebe dauert oder dauert nicht/an dem oder jenem Ort." Spelunken-Jenny, die die Fäden zieht, als die Huren Mackie verraten (mit guter Stimme: Caroline Paetsch), Polizeichef Tiger Brown (anrührend weich von Alexander Ninnig), der den Freund retten will und seine Tochter Lucy (erzkomödiantisch: Julia Scheiber, vor allem im Duett mit Rivalin Polly) komplettierten die tragenden Rollen.

Doch was letztlich zählte, war die gute Ensembleleistung. Die zeichnete zusammen mit den zahlreichen guten Regie-Einfällen Blaes' Inszenierung aus: Sehr eindrucksvoll und eindringlich die Choreographie des Chors, etwa beim „Weltenkarussell" am Anfang, als Huren, Gangster und Bettler im Kreis um Zuschauerraum und über die Bühne promenierten. Urkomisch das Ballett der Gangster, die bei Pollys und Macs Hochzeit das „Hochzeitslied für ärmere Leute" singen. Sehr gut gelöst auch die Schlußszene, in der der „Reitende Bote der Königin" als deus ex machina den zum Tode verurteilten Mackie vor dem Strick rettet und der Held im Strick stehend seinen Schlußappell an die Menschlichkeit singt.

Das Publikum wußte die für ein Schülertheater anspruchsvolle Leistung mit großem Applaus zu würdigen.

__________________________________________________

Südpfalzkurier, 16. März 1994

“Dreigroschenoper” der Gesamtschule ein riesiger Erfolg

Kein Mensch käme auf die Idee, das Fußballspiel einer Schülerauswahl an den Leistungen einer Profimannschaft... zu messen...
Für die Regionalzeitung (“Die Rheinpfalz”) scheint diese Toleranz in kulturellen Dingen keine Gültigkeit zu haben, denn wie sonst könnte sie schreiben, “Sicher, es war kein Profitheater”, oder “mit ihrem Enthusiasmus rissen die Agierenden auf der Bühne das Publikum mit”?

Nein, es war kein Profitheater, es war besser und von Enthusiasmus war auch nichts zu spüren, wie auch, nach einem Jahr harter Arbeit, den Premierentermin vor Augen. Frust hat sich aufgebaut, Tränen sind geflossen, Wut, Ohnmacht, Freude waren ständige Begleiter und ganz nebenbei ist auch noch der Schulbetrieb gelaufen. Profis haben da ganz andere Bedingungen. Die sicherlich anfängliche Begeisterung ist dem Ehrgeiz gewichen, dem Biss, die jeweilige Rolle gut zu spielen, sich mit der Person, die es darzustellen gilt, zu identifitieren. Das ist den Darstellern mit großem Erfolg gelungen.

Der Autor dieses Artikels hat die “Dreigroschenoper” bereits zweimal von sogenannten “Profis” gesehen, aber noch nie die “Gänsehaut” bekommen wie bei der Aufführung der Theater-AG am Dienstag vergangener Woche.

Die "Dreigroschenoper" ist keine Opernparodie, sondern eine bissige Zeitsatire aus dem Berlin der 20er Jahre, der Text Bert Brechts ist eine aktualisierte Bearbeitung des Librettos der genau 200 Jahre älteren "Bettleroper" von John Gray.

Regisseur und Gesamtleiter Berthold Blaes hat mit der Inszenierung dieses Stückes nicht nur eine neue Art der Aufführung, die Einbeziehung des Publikums, erfolgreich gewagt, sondern er hat auch eine glückliche Hand bei der Rollenbesetzung gezeigt.

Ohne näher auf den Inhalt der "Dreigroschenoper" eingehen zu wollen, war die schauspielerische Leistung der Darsteller, unabhängig von der Rollengröße, überragend.
Die Huren, deren Texte nur aus Körpersprache bestanden, waren genauso überzeugend wie die sehr umfangreichen Textrollen von Timo Hecker (Jonathan Peachum). Michael Jurewicz (Maceath, genannt Mackie Messer), Ines Höltje (Tochter Polly Peachum) und Alexander Ninnig (Tiger-Brown).

Die gewollte Disharmonie der Weill'schen Musik in Verbindung mit den ausdrucksstarken Brecht-Texten wurden von Nadine Tieleborger (Celia Peachum) und Caroline Paetsch (Spelunken-Jenny) in einer Art und Weise zu Gehör gebracht, die den Zuhörer vergessen machten, daß hier ‘nur’ Schülerinnen sangen. Heike Borger darf hierfür ein genau so großes Kompliment ausgesprochen werden wie den betreuenden Lehrern bei der Orchester-Einstudierung, Peter Kusenbach und Theodor Schmidt.

Auf Grund des großen Erfolges wird die “Dreigroschenoper” am Donnerstag, dem 21. April, 20.00 Uhr ein letztes Mal aufgeführt: Wenn Sie  diese außergewöhnliche Aufführung erlebenwollen, sollten Sie sich ganz schnell einen Platz sichern.
                    (Text/Fotos: berwanger)

__________________________________________________

Geschäftsanzeiger, 14. April 1994

    Jeder trägt zum Gelingen bei

 Theater-AG spielt am 21. April noch einmal die „Dreigroschenoper'

Bad Bergzabem. „Und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht" - wer kennt ihn nicht, den berühmten Satz aus Berthold Brechts „Dreigroschenoper". Unzählige Male aufgeführt, steht und fällt das Stück immer noch mit der individuellen Interpretation des jeweiligen Ensembles. Und gerade das ist mit ein Punkt, der das Drama immer wieder spannend und interessant macht: Wie wird es wohl den den Schauspielern gelingen, Brechts Intention, die korrupte Bourgoisie zu entlarven, zum Ausdruck zu bringen? Inwieweit werden die für Brecht charakteristischen Elemente des epischen Theaters in den Handlungsverlauf eingebaut?

Dazu kann man nur sagen: Hut ab vor der Theater-AG der Kooperativen Gesamtschule, die das Stück im vergangenen Monat dreimal in hervoragender Besetzung auf die Bühne brachte. Mit spritzigen Ideen, einer gehörigen Portion Kreativität und einigem Talent stellten die 19 jungen Schauspielerinnen und Schauspieler aus den Klassenstufen 9 bis 13 mit Unterstützung des Schulchors und des Orchesters drei Theaterabende auf die Beine, der für viele Zuschauer lange Zeit unvergeßlich bleiben wird.

Die Gegenüberstellung von humorvoll ausgestalteten Szenen und der Absicht Brechts, mit seinem Werk das satte selbstgefällige Bürgertum anzuklagen, machte wohl den besonderen Reiz dieser Inszenierung aus. Auffallend war die stimmliche Qualität der Hauptdarsteller, denen der Chor aber in nichts nachstand. Die Songs wurden je nach Gegebenheit gefühlvoll oder flott-frech intoniert und gaben dem Handlungsverlauf durch die hochwertige Vortragsweise den richtigen Brecht-Touch, der bekanntlich die Textgattung „Song“ in der Literatur eingeführt hat.

Doch natürlich steht hinter solch einem glanzvollen Ereignis auch harte Arbeit. „Alles in allem ein Jahr haben die Vorbereitungen für die Aufführung gedauert,“ berichtete Timo Hecker alias Bettlerkönig Jonathan Jeremiah Peachum, einer der Hauptdarsteller. „Der Tennin stand von Anfang an fest, so hatten wir einen genauen zeitlichen Rahmen, in dem wir mit dem Proben fertig sein mußten. Anfangs, so erzählte das Mitglied der Theater-AG, hätten die Zusammenkünfte der Truppe einmal in der Woche stattgefunden, während man sich in den letzten Wochen vor der Aufführung fast jeden Tag getroffen habe.

Um sicher zu gehen, daß die Intention des Autors auch später beim Spielen richtig umgesetzt werden würde, hatte Berthold Blaes, Leiter der Theater-AG, das Stück zunächst mit den Akteuren besprochen und Inhalte klargestellt.

Anschließend wurde ausprobiert, welcher Schauspieler zu welcher Rolle passt, was gerade bei diesem Stück von den stimmlichen Fähigkeiten abhing.

Wenn man jetzt vermutet, daß die Besezung der Hauptrollen vielleicht Reibereien und kleine Spannungen unter den Schauspielern hervorgerufen haben könnte, liegt man da bei der Theater-AG der Gesamtschule völlig falsch. Das gute Zusammnenspiel untereinander werde, so Timo Hecker, in dieser Arbeitsgemeinschaft groß geschrieben. Außerdem habe man die anderen, was die Rollenbesetzung angehe, mittlerweile schon recht gut einschätzen können, denn ein Großteil der Schauspieltruppe habe bereits bei dem Stück „Bravo Girl" zusammen gespielt.

Auch bei der Ausgestaltung der Rollen und des gesamten Handlungsablaufes klappt nach den Worten von Timo Hecker die Zusammenarbeit der jungen Laienschauspieler hervorragend. „Herr Blaes läßt uns bei der Gestaltung viel Freiraum, nur ab und zu - wenn unsere Ideen absolut gegen seine Vorstellungen gehen - gibt er uns hilfreiche Ratschläge," beschreibt der passionierte Theaterspieler den Ablauf des Probenalltages. „Generell trägt aber jeder zum Gelingen bei, auch was das Bühnenbild und die Kostüme angeht." Die Kostüme, die tatsächlich so passend sind, daß sie dem „Dreigroschenoper-Fundus" eines größeren Theaters hätten entstammen können: wurden größtenteils vom gesamten Theater-Team nebst Chor und Orchester privat organisiert, nur ganz wenige Details wurden bei der Badischcn Landesbühne geliehen, zu der der Leiter der Theater-AG guten Kontakt hat. Von dort stammen auch, diverse Elemente des Bühnenbildes wie beispielsweise der Käfig, der als Gefängniszelle für den „Helden" des Dramas Mackie Messer füngierte.

Daß die Inszenierung bei so viel Perfektion einschlug wie eine Bombe, ist klar. Die erwachsenen Zuschauer waren ebenso beeindruckt wie die Mitschülerinnen und Mitschüler. Diese hätten den Schauspielern vor Begeisterung auf dem Schulhof gratuliert, freut sich Timo Hecker. Kein Wunder also, daß sich schon viele von den „Fans“ nach Karten für die vierte Aufführung der „Dreigroschenoper“ am kommenden Donnerstag in der Aula erkundigt haben.
                                                   (mb)

Brecht/3GrOper

Die Rollen

Die Musik

Peachum

Macheath

Mackies Gang

Die Huren

Jenny

Das Ende

Dramaturgie