Aktuelles

Theater-AG 25 Jahre unter der Leitung von B. Blaes 

Die Rheinpfalz vom 23. April 2009

zurück/Real

zurück/Aktuelles

Giraudoux / Irre

Sich von elitärem Gehabe frei machen

Gegenüber: Berthold Blaes leitet seit 25 Jahren die Theater-AG
am Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern


Von Maria Schwering


Ohne spektakuläre Feiern und öffentliches Brimborium feierte eine bemerkenswerte Institution ihren 25. Geburtstag: Die von Berthold Blaes geleitete Theater-AG des Alfred-Grosser-Schulzentrums.


Eine Theater-Arbeitsgemeinschaft gab es schon, als der junge Lehrer Berthold Blaes 1983 an das Gymnasium in Bad Bergzabern kam und ihm die Leitung dieser Institution von der damaligen Schulleitung umstandslos übertragen wurde. Eine Aufgabe, die ihn gleichermaßen faszinierte aber auch forderte. Für Blaes, der in seiner Heimatstadt Trier Germanistik und Politikwissenschaften studiert hatte, gelegentlich auch mit den Theaterwissenschaften „liebäugelte", erschließt sich das Theater vor allem über die Musikalität der Sprache, und die Beschäftigung mit Musik hat ihn sein Leben lang geprägt.


„Hätte ich mich als Schüler nicht intensiv mit Latein und Griechisch befasst, wäre ich heute ein anderer", resümiert er im Rückblick auf eine Schulzeit, die dem begeisterten Chorsänger die geistlichen Werke von Haydn, Mozart und Bach näher brachten. Und so spielt auch heute die Musik in den Inszenierungen von Blaes eine wesentliche Rolle, ist keineswegs nur beliebige Untermalung.


Mit der Inszenierung von Ibsens „Volksfeind" 1984 begann Blaes" Theaterarbeit an der Schule, einem Stück, das er damals nicht unbedingt selbst ausgewählt hätte. Schon im nächsten Jahr stand Dürrenmatts „Besuch der alten Dame" auf dem Spielplan, es folgten (eine Auswahl) Büchners „Leonce und Lena", Brechts „Galileo", „Dreigroschenoper", „Arturo Ui" und „Der gute Mensch von Sezuan", die Antiken-Dramen „Antigone" oder „Lysistrate", Schillers „Kabale und Liebe" oder auch Komödien wie Goetz" „Das Haus in Montevideo", Cowards „Ich bin begeistert", Fos „Mamma hat den besten Shit", natürlich auch Stücke von Shakespeare, Molière und Cervantes, Ionescu, Gombrowicz und Marivaux. Blaes hat sich mit seiner Truppe den Kanon der klassischen Bühnenliteratur von der Antike bis zur Moderne erarbeitet, weil er davon überzeugt ist, dass Theaterstücke auch heute noch viel zu sagen haben, dass niveauvolle Unterhaltung und die Anregung von Denkprozessen kein Widerspruch sind.


Anders vielleicht als bei musikalischen Events steht nicht der Starkult im Vordergrund, hier geht es darum, dass die Persönlichkeit des Darstellers der ihm zugedachten Rolle Profil verleihen kann. Blaes verlangt von seinen jungen Schauspielern, in sich hinein zu hören, sich von anmaßend-elitärem Gehabe frei zu machen, denn sie sollen natürlich wirken, weil es um die Echtheit der Aussage des Werkes geht, nicht um Selbstdarstellung. Und dann ergibt es sich nicht selten, dass die Truppe selbst herausfindet, dass Umbesetzungen vorgenommen werden sollten, weil ein Mitspieler seiner Rolle nicht gewachsen ist, oder aber plötzlich darstellerische Fähigkeiten entwickelt, von denen alle vorher nichts geahnt haben. Im Vordergrund der Theaterarbeit steht so die Entwicklung der Persönlichkeit, über die des Rollencharakters hinaus.


Der souveräne Umgang mit der Sprache auch längst vergangener Epochen macht die Begegnungen mit der Bad Bergzaberner Theater-AG, die sehr oft durchschnittliches Schultheater-Niveau weit hinter sich lässt, immer wieder spannend und sehenswert. Aber nicht nur die Darsteller auf der Bühne machen die Qualität der Aufführungen aus, es sind auch die eher „unsichtbaren" Mitwirkenden, die erst zum Applaus ins Rampenlicht geholt werden: Souffleuse, Beleuchter und Techniker, alle von Anfang an dabei.

zurück/Real

zurück/Aktuelles

Rheinpf-Artikel

Leserbrief

Giraudoux/Irre