Antigone
- Inhalt -

    Kreon, König von Theben, hat das Edikt erlassen, wer den im Kampf gegen die eigene Vaterstadt vor den Toren Thebens gefallenen Polyneikes beerdige, sei des Todes schuldig. Schon dieses Gebot, dem Schein nach dem Staatsinteresse dienend, markiert, noch vor Beginn des dramatischen Geschehens, dessen Kern, die Hybris Kreons: sie als Voraussetzung hinzustellen und zugleich den ersten Schritt der provokativen Reaktion anzukündigen ist der Sinn des prologischen Gesprächs zwischen den beiden Schwestern des Toten, Antigone und Ismene. Alles, was sich im Verlauf des Stücks ereignet, dient dazu, diese Hybris in ihrem ganzen Ausmaß zu offenbaren: von Auftritt zu Auftritt wird Kreon neuem Wider- spruch, neuer Mahnung ausgesetzt, und von Stufe zu Stufe verstrickt er sich tiefer in seinen Eigenwahn.

   D em unmittelbaren Ausspruch des Bestattungsverbots wird in scharfer Antithese der Bericht von der symbolischen Bestattung der Leiche durch einen unerkannt gebliebenen Täter gegenübergestellt. Kreon ist - trotz der beiläufigen Warnung des Chors, dass auch göttliches Eingreifen in Betracht gezogen werden müsse - davon überzeugt, dass ein gedungenes Werkzeug innerer Staatsfeinde die Tat verübt hat. Der Chor quittiert die Nachricht mit dem berühmten Lied auf die allmächtige Erfindungskraft und den Wagemut des Menschen

    I nzwischen ist der Tote ein zweites Mal bestattet worden: als Täterin wird Antigone vorgeführt. Ihre Rechtfertigung - die Pflichten gegenüber der Familie und den göttlichen Geboten (der erste ausführliche Mahnruf an den König!) - nimmt Kreon gar nicht zur Kenntnis,  sondern beurteilt die Tat als Akt der Auflehnung, der  mit  der  verhängten  Strafe zu ahnden ist. Ismene, die sich vor Kreon der Mithilfe bezichtigt, wird von Antigone äußerst schroff zurückgewiesen.

    S pätestens an diesem Punkt des Dramas – wenn der Chor sein Lied vom Fluch des Labdakidenhauses singt - ist die Antigone-Handlung be- endet: Die folgenden Szenen sind ganz um Kreon zentriert, dem, in deut- licher Steigerung, erst der eigene Sohn, Antigones Verlobter Haimon, dann der Seher Teiresias entgegentritt, um ihn vom Frevlerischen seines Gebots, sondern vor allem der Verdammung Antigones zu überzeugen. Trotz  der Drohungen Haimons bleibt Kreon verstockt.

    Entscheidend ist, daß in dieser Auseinandersetzung nicht nur die tatsächliche Aktion des Königs offen als Unrecht und Gottesfrevel gebrandmarkt wird, sondern dass Haimon auch Kreons Staatsraison als das entlarvt, was sie ist: Ausdruck des Egoismus eines  tyrannischen  Herrschers.  Die Szenenfolge Kreon - Haimon und Kreon - Teiresias wiederholt noch einmal das Strukturprinzip von indirekter Andeutung und anschließender Darstellung: wie sich Eingangsszene  und  erster  Auftritt entsprechen, wie die Kreon-Antigone-Szene mit der Warnung des Mädchens vor einer Mißachtung der göttlichen Familiensatzungen sich in der Kreon-Haimon-Szene dramatisch verdichtet, so wird im Verhalten Kreons gegenüber Teiresias jene egozentrische Gottlosigkeit  unmittelbar gemacht, die Haimon zuvor als den Wesenskern der Handlungsweise Kreons enthüllt hat:

    Der grausige Fluch des Sehers ist die Klimax eines mit unerbittlicher Konsequenz sich vollziehenden Geschehens. Jetzt endlich wird Kreon schwankend und wendet sich an den Chor um Rat. Doch der Versuch zur Umkehr kommt zu spät (1155-1353): Antigone hat sich erhängt, Haimon  ersticht sich neben der Leiche der Geliebten.
Als gebrochener alter Mann bleibt Kreon zurück, zwar der Einsicht teilhaftig, aber ohne Mittel, der unbarmherzigen Vereinsamung zu entgehen.

Zur griechischen Mythologie:  http://www.mythologica.de/antigone.htm

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