Antigone
Antigone - Ismene

Antigone (Lisa Vogel Hintergund): “Zwei Brüder hatt’ ich, mir beide lieb. Dem einen gönnt Kreon
    ein Grab, den anderen lässt er draußen faulen. Was für ein dreckiger Befehl!... Willst du mir
    helfen, den Bruder zu begraben?
Ismene (Angela Blaes
vorn/unten) :”Du hast gehört, dass Steinigung drauf steht...  Antigone!
    Alles, was wir, das Haus des Ödipus, unternehmen, schlägt uns zum Verderben aus. Denk an

   unseren Vater, der seinen Vater
   umbrachte und die eigne Mutter zur
   Frau nahm -  ganz Griechenland ist
   voll von der Geschichte - und nach
   Enthüllung dieser Greuel sich selbst
   die Augen ausriss und aus der Stadt
   floh. Denk an unsere Mutter Iokaste,
   die, von ihrer Schande erstickt, den
   Strick nahm und sich am Hals
   aufhängte.
   Berüchtigt sind wir, verhasst,
   verachtet. Denk an unsere Brüder,
   die sich totschlugen, der eine den
   anderen um Thebens Thron.
   Wir sind die Überlebenden,
   Verlassenen, und nun solls weiter-
   gehn auf deine Art mit Polyneikes,
   der längst tot ist. Gib du nun
   endlich Ruh!

Antigone : “Kreon ist es, der die Ruhe
   stört, verbietend, was gut ist und
   recht, also muss ich handeln. Und
   wenn uns alles zum Verderben aus-
   schlägt, erlaub ich mir die Freiheit,
   für eine Sache draufzugehen, die
   sein muss. Ich scharr den Bruder
   ein. Ich duld kein Unrecht.

Ismene: “Du machst mein Denken
   schwer. Ich will nicht gegen Gewalt
   anrennen, aussichtslos. Ich will...

...leben. Ist das zu viel verlangt? Es
ist  Frieden, Antigone!

Antigone :
“Es ist nicht Frieden, solange
   Polyneikes draußen liegt.”

Ismene:
”Mich gegen alle aufzulehnen,
 hab ich nicht die Kraft.”

Antigone :
”Bitten mag ich dich nicht mehr,
 und wenn du jetzt noch helfen
  wolltest, ich will dich nicht.
Du taugst nur zum Vergnügen.
Geh spielen. Tu, was du leben nennst. Ich begrab ihn allein.
Wenn ich dann sterben muss,
lieg ich neben dem geliebten Bruder, glücklich,
 ich hab getan,
was ich tun musste.
Die Zeit hier oben ist schnell vorbei. Unten bin ich ewig...”

Kreon (Nicholas Wood): ”Das Staats-
   gesetz befiehlt es! Es hieße ja den
   Staat verraten, wenn ich weich würde
   und begnadigte die eine oder die
   andere... Wenn sie erst spüren, dass
   der Tod sie kitzelt, werden sie fliehen
   wollen, die Unerschrockenen!”

Antigone : ”Der kann sich freuen, der
   nicht durch solche Hölle gehen
   muss wie ich. Wer einmal aneckt und
   ins Rutschen kommt, den trampeln
   sie nieder, und er kann vom Glück
   sagen, wenn er nicht auch noch den
   Glauben an sich selbst verliert.”

Ismene: ”Wer auf Güte besteht, wird
   zu Tod gehetzt, das ist so Brauch.
   Da gibts kein Entrinnen, kein
   Hilfeschrein, niemand hört dich.
   Im Dickicht teilnahmsloser Fratzen
   gehst du unter.”

Antigone : ”Was du auch Großes
    anpackst - daran klebt Unheil und
   Jammer. Da gibt es nichts Reines,
   durch das nicht Schmutz aufkommt.
   Und zum Schluss kommt auch dir
   nur das große Kotzen, dafür ist
   gesorgt.”

Bürger : ”Ziellos schweifende
   Hoffnung hat euch verführt...”

Fotos: Tobias Reinmuth

Bad Bergzabern

Sophokles/Antigone

Rollen

Kreon/Volk

Antigone/Ismene

Kreon/Antigone

Kreon/Haimon

Bürger

Chor

Inhalt

Autor

Dramaturgie

Presse