Arsen & Spitzenhäubchen
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Inhalt und Deutung -

Zur Inszenierung

Eine völlig verrückte Welt oder doch Normalität? Oder das Eine verdeckt durch das Andere? Zwei äußerst liebenswerte alte Damen, Abby und Martha Brewster, die scheinbar keinem Menschen ein Haar krümmen können, zeichnen sich vor allem durch ihre Mildtätigkeit aus und genießen hohe gesellschaftliche Anerkennung. Als aber ihr Neffe Mortimer, Theaterkritiker und frisch verlobt, eine Leiche im Haus entdeckt, reagieren die Tanten keineswegs schockiert. Sie weihen ihn stolz, der Korrektheit ihres Handelns sicher, in ihre Gewohnheit ein, einsame alte Männer, bis dato zwölf, aus ihrer Einsamkeit zu erlösen. Unwissentlich ist ihnen dabei ihr anderer Neffe Teddy behilflich, der sich für Roosevelt hält, im Keller des Hauses den Panama-Kanal ausgräbt und nebenbei die Opfer des „Gelbfiebers“ begräbt. Als Mortimers verschollen geglaubter Bruder, der gesuchte Serienmörder Jonathan Brewster, mit einem weiteren Toten im Gepäck auftaucht, wird die Sache kompliziert: Wie geht man mit so vielen Leichen um, wenn ständig die Polizei zu Gast ist?
 

Das Arsen macht dem Zuschauer keine Angst, es sind die Spitzenhäubchen, die ihn amüsiert das Fürchten lehren. Denn das Gruselige sind nicht die Mordtaten, sondern die entsetzliche Normalität und Biederkeit der Täter(innen), der Horror der kleinbürgerlichen Überschaubarkeit und dessen, was dahinter lauert. Die Decke ist eben dünn zwischen dem Schein bürgerlicher Biederkeit und ihrem Abgrund. Nichts kann angsteinflößender sein als ein gepflegter Vorgarten. Nichts verbirgt mehr als eine reinliche Fassade. Und nichts ist komischer als eine klassische Komödie mit allem, was dazugehört: Leichen im Keller, Leichen in der Truhe und trotzdem ein reines Gewissen…
 

Es ist jenes reine Gewissen des Kleinbürgers, der sich in steter und gegenseitiger Selbstvergewisserung immer auf der moralisch richtigen Seite weiß, niemals zweifelnd, während er, unfähig zur Selbsterkenntnis, objektiv Unrecht begeht. Dieser zersetzende, abgründige Kern steckt in der komödiantisch verpackten Botschaft Joseph Kesselrings: Hindern in seiner Komödie die genetischen Defekte die beiden Damen daran, ihre Untaten als solche zu erkennen, sind es beim Kleinbürger heutiger Machart allein die Unfähigkeit und der Unwille zur Selbsterkenntnis, seine Selbstgefälligkeit. Dass der Außenwelt die Unmenschlichkeit der Spitzhäubchen verborgen bleibt und die beiden Damen hohe gesellschaftliche Wertschätzung genießen, spricht Bände. Und wir finden es lustig. Nun ja,  auch die moderne Gesellschaft weiß im Umgang mit alten Menschen sich rauer Entsorgungsmethoden zu bedienen, so dass der Holunderwein von Abbey und Martha geradezu als barmherzige Lösung erscheinen mag. Und es gibt noch so viele weitere Felder, in denen die Kluft zwischen scheinbarer Wohlanständigkeit und tatsächlicher Gewalt, zwischen sich selbst vergewissender Moral und objektiver Unmenschlichkeit aufscheint…

Joseph Kesselrings schwarze Komödie feierte 1941 am New Yorker Broadway Premiere – es wurde ein Welterfolg; die Verfilmung mit Cary Grant als Mortimer ist nicht weniger berühmt...

Arsen & Spitzenhäubchen

Die Rollen

Abby & Martha

Jonathan & Einstein

Mortimer & Elaine

Teddy

Dr. Harper

Mr. Gibbs

Mr. Witherspoon

Die Polizisten

Dramaturgie

Rezension

Gastspiel im Sandkorntheater Karlsruhe

 

Gastspiel in St. Joseph, Saverne