Leonce und Lena
- Die Presse -

DIE RHEINPFALZ, 22. Mai.1989

Wenn Untertanen zu Marionetten werden

Theater-AG überzeugt mit Georg Büchners gesellschaftskritischem Stück „Leonce und Lena"

 BAD BERGZABERN. Der Vorhang öffnet sich. Ein König und sein Hofstaat haben sich auf der Bühne versammelt. Sie bleiben stumm, aber ihre marionettenhaften Bewegungen lassen keinen Zweifel daran, um was es in dem Theaterstück gehen wird.  Schon in der ersten Szene ihrer Aufführung von „Leonce und Lena" gelingt es den Mitgliedern der Theater-AG der Kooperativen Gesamtschule Bad Bergzabern, den Zuschauern die Kritik Georg Büchners an den politischen und gesellschaftlichen Zuständen seiner Zeit zu verdeutlichen. Beeindruckend die Textsicherheit der jungen Akteure, die trotz der nicht gerade einfachen Sprache Büchners ihre Rolle auch schauspielerisch und künstlerisch gut beherrschten.

Den zum überwiegenden Teil jugendlichen Zuschauern bereitete es sichtlich Vergnügen zu verfolgen, wie Prinz Leonce (Boris Becker) versucht, der Langeweile am Hof seines Vaters König Peter (Joachim Geil), seiner Freundin Rosetta (Kathleen Doherty) und der geplanten Vernunftehe mit der ihm unbekannten Prinzessin Lena (Daria Stehl) aus dem Reich Pipi durch Flucht zu entziehen. Mit seinem narrisch-schlauen Kumpanen Valerio (Alexander Bach) macht er sich auf den Weg nach Italien, wo er dann die ebenfalls vor der Hochzeit geflohene Lena mit ihrer Gouvernante (Cordula Weth) trifft. Ohne ihre Identität zu kennen verlieben sich die beiden und .werden durch das geschickte Arrangement Valerios schließlich auch verheiratet.

Den Reiz des Stückes machte aber nicht allein diese Rahmenhandlung aus, sondern die in vielen Szenen von den Mitgliedern der Theater-AG zum Teil sehr detailliert herausgearbeitete Kritik des Autors an Kleinstaaterei, Behörden, Funktionsträgern. Die geradezu lächerlichen Gestalten des Hofstaates (Philipp Bach, Martin Blankemeyer, Sascha Decker, Peter Bauer, Kathrin Mollenhauer, Thorsten Braun) mit dem untertänig zur Karikatur gewordenen Präsidenten des Staatsrates (Bernhard Geil) an der Spitze oder die Polizisten (Martin Blankemeyer, Philipp Bach), die in einer herrlichen Parodie die ganze Fragwürdigkeit des Systems verdeutlichten, die Bauern (Peter Bauer, Philipp Bach), die Jubelschreie lernen müssen, sie alle machen die eigentliche Qualität dieses Stückes aus.

Unter der Gesamtleitung von Berthold Blaes wirkten im Hintergrund außerdem Jasmin Buch (Maske), Christoph Lehnert (Souffleur), Thorsten Keenser, Tilman Schwenk (Beleuchtung) mit Für die Kostüme sorgten Cordula Weth und Joachim Geil; das Bühnenbild entwarfen die Mitglieder der Theater-AG gemeinsam. Eine weitere Aufführung von „Leonce und Lena" ist am 24. Juni zu sehen.

                CHRISTINE WILKE-ZECH

Büchner / Leonce

Die Rollen

König Peter

Der Hofstaat

Die Flucht / Italien

Die Hochzeit

Der Inhalt

Die Presse