Buntes
- Würdigung -

Eine stilvolle Würdigung erfuhr das Wirken der Theater AG und ihres Leiters Berthold Blaes durch einen außerordentlichen Beitrag der beiden AG-Mitglieder,  der Abiturientinnen Katharina Massow und Lisa Vogel, am Ende der Abitur-Entlassungsfeier am 25. März 2004 in der Aula des Gymnasiums:

Wir haben das Glück in einer freiheitlichen Gesellschaft zu leben.

Freiheit ist jedoch immer an Verantwortung gebunden.

Denn sonst führt Freiheit zu Chaos und Selbstverwirklichung zu

hemmungslosem Individualismus.

Die Frage, ob wir wegweisende Werte brauchen, ist daher nicht einmal

rhetorisch zu stellen. Aber wer oder was vermittelt heute Werte?

Nachmittägliche Talkshows, die sich überbieten, seelische Schutzmauern

einzureißen?

Reality-TV-Shows, die genüsslich Brutalität verbreiten?

Werbung, die Scheinwelten und Scheinwerte suggeriert?

 

Ja, so gesehen, sind wir die Generation X, aufgewachsen mit

Massenmedien und Unkultur.

Wir sind die Pisa-Versager, wir sind die Generation der

Politikverdrossenheit und der Null-Bock-Mentalität.

Für uns war die Schule in diesem endlosen Zyklus konsumierter

Zufriedenheit nur ein lästiges Übel.

Aber warum sitzen wir dann alle hier, viele mit einem weinenden und einem

lachenden Auge?

Die Antwort ist zwar banal und abgedroschen, aber sie trifft auf die meisten

von uns zu: Wir sind anders.

Wir haben uns nicht irreleiten lassen.

Bewusst oder unbewusst, wir haben das angenommen, was die Schule uns

13 Jahre lang, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, mitzugeben versucht hat:

Orientierung.

Wir haben eine Reihe von Menschen- und Lehrertypen kennengelernt.

Solche, die wir schätzen, solche, die uns viel Wissen beibringen konnten,

und solche, die uns Orientierung gaben.

Jeder hat auf seine Art und Weise zu unserem Menschen- und Weltbild

beigetragen, und wenn auch nur durch ein abschreckendes Beispiel.

 

Was bleibt hängen von all dem Wissen?

Was bleibt wichtig?

Was bleiben sollte, ist die Fähigkeit einen Standpunkt zu vertreten.

Ohne Standpunkt keine Perspektive, ohne Perspektive keine Richtung und

ohne Richtung keine Orientierung.

Und das ist doch die wichtigste Aufgabe eines Gymnasiums, Werte

vermitteln, die Orientierung geben, in dieser überreizten

Konsumgesellschaft.

Dazu gehört auch, dem Zeitgeist zu widerstehen, und die Tatkraft, das, was

für einen wichtig und wahr erscheint, durchzusetzen.

Das ist Glaubwürdigkeit und davon gibt es heute leider viel zu wenig.

Im Namen all jener, die sich angesprochen fühlen, sagen wir Danke an die

Lehrer, die ihren Unterricht in diesem Sinne gestaltet haben.

Und wir, wir sagen Danke an Sie, Herr Blaes! Vielen, vielen Dank für alles.

 Lisa Vogel     Katharina Massow

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