Don Quijote
- Zur Dramaturgie -

Tränen hinter dem Lächeln

Vor dem Hintergrund einer atemberaubenden Epoche historischen Umbruchs der ‚Alten‘ zur ‚Neuen‘ Welt schafft Miguel Cervantes de Saavedra, am 29. Sept. 1545 bei Madrid geboren, sein Werk. Er entstammt dem verarmten Landadel, die ersten Kapitel seines berühmten Romans schreibt er in Schuldhaft.

Der Erfolg ist überwältigend, Don Quijote und Sancho Pansa werden gar als lebensgroße Figuren in Umzügen präsentiert. Bei der Arbeit am 59. Kapitel erfährt der Dichter von dem falschen Don Quijote eines Plagiators. Sofort nimmt Cervantes das gestohlene Abbild seines Helden als anmaßenden Betrüger ins eigene Ensemble auf. Sein Held blättert in jenem falschen „Don Quijote“, bezeichnet das Buch als verlogenes Machwerk und ändert eine Reiseroute, um eine dort geschilderte Episode als Lüge zu brandmarken: Der richtige Don Quijote trifft auf einen Edelmann aus dem Plagiat. Die Szenerie ist heute von genialer literarischer Kühnheit: Zwei erfundene Figuren aus verschiedenen Geschichten begegnen einander als lebende Personen. Im Verlauf des Gesprächs berichtet der erfundene Edelmann dem erfundenen Ritter, daß er den nachempfundenen Don Quijote ins Irrenhaus von Toledo gebracht habe.

Des siegreichen Ritters geistige Wirkung  ist gewaltig: In allen Kunstgattungen, ob bei Victor Hugo - er „schmeckte die Tränen hinter dem Lächeln“ – Purcell, Telemann, R. Strauss, Picasso oder Dali, gibt der Held seine unzähligen Gastspiele. Von Bulgakow stammt die Dramatisierung.

Ritterliche Ideale, Ritterliche Träume

Wer kennt ihn nicht, den großen, hageren Ritter mit dem traurigen Gesicht, der von Edelmut und Schönheit und von seiner Herzensdame Dulcinea schwärmt! Und der davon träumt, das Unrecht aus der Welt zu schaffen! Kein noch so schmerzhafter Zusammenstoß mit der Realität - man denke nur an jenen berühmten Kampf gegen die Wind-mühlen! – kann Don Quijote davon abbringen, gegen böse Mächte für Frieden, Gerechtigkeit und Liebe zu kämpfen, dafür Ruhm und Ehre empfangen zu wollen. Ist es jener ‚Wirklichkeitsverlust‘ - in unserem Medienzeitalter ohnehin allgegenwärtig - der unsere Neugier an dieser Figur so stark zu wecken vermag?

Oder ist es das Interesse an der Gestalt gewordenen Fähigkeit, mit Ideen und Idealen Träume zu verwirklichen (Der kann noch träumen!)? Reizt nicht ebenso sehr der Kontrast zu seinem nicht weniger berühmten Waffen träger Sancho Pansa, dem kleinen, rundlichen, pfiffigen Bauern, nicht wie jener       hoch zu Roß, sondern er auf seinem Eselchen reitend, realistischer, auf seinen Nutzen bedachter Pragmatiker, schlau, mit gesundem Mutterwitz, doch bei allem Unverständnis dem Phantasten als seinem Herrn treu ergeben.

Beider Suche nach dem Glück und ihre Abenteuer bieten reichlich Situationskomik und anregende Unterhaltung.

Bulgakow, Michail Afanasjewitsch (1891-1940 ),

russischer Roman- und Bühnenschriftsteller, geb. in Kiew, gest. in Moskau. Er bediente sich sowohl phantastischer und satirischer wie auch pathetischer und tragischer Elemente. Bulgakow kam erst nach seinem Tod als Schriftsteller zu Ehren, als nach 1962 seine Romane, Dramen und die Biographie, die er über Molière geschrieben hatte, erscheinen durften.

Cervantes/Quijote

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