Don Quijote
- Die Presse -

SÜDPFALZKURIER, 24.März 1999

Aussichtsloser Kampf gegen Windmühlen

Ideenreiche Inszenierung des „Don Quijote“ durch die Theater-AG

Ins Reich der Phantasie und Illusionen führte die Inszenierung des berühmten Cervantes-Stoffes in der Dramatisierung Bulgakows durch die Theater-AG der Kooperativen Gesamtschule Bad Bergzabern. Unter der Regie und Gesamtleitung von Berthold Blaes wurde der Zuschauer in gelungener Kombination von schauspielerischem Können und Bühnenästhetik in eine (Schein-?) Welt schöner Bilder und Ideale hineinversetzt.

In der an drei Aufführungsabenden (11.,12. und 20.März) nahezu vollbesetzten Aula des Gymnasiums erlebten die Zuschauer in einer behutsam aktualisierenden Umsetzung, die sich konsequent auch moderner technischer Mittel der filmischen und bildhaften Projektion bediente und den Raum imaginär erweiterte, wie der Starrkopf Don Quijote (Jan Horn mit großem schauspielerischen Elan und körperlichen Einsatz) unbeeindruckt von vielen Niederlagen „gegen böse Mächte“ der Lüge und Ungerechtigkeit und durchaus guten alten, ritterlichen Idealen nachstrebend, sich dennoch mehr und mehr – an der Realität vorbei – verrennt, erst sterbend wahre Größe gewinnt und die Wahrheit zu erkennen vermag. Ihm zur Seite sein bauernschlauer, aber treuer Waffenträger Sancho Pansa (Carolin Laupsien, kontrastreich, mit feinsten Nuancen und überzeugendem darstelleri-schen und mimischen Können).

Wenn beim Aufbruch Don Quijotes und Sancho Pansas zu ihren Abenteuern überraschend mitten im Bühnenraum eine filmische Projektion sichtbar wird, die beide Protagonisten beim Auszug aus einer pfälzischen Burg zeigt, wird deren Handlung kommentiert, verfremdet und ironisch gebrochen.

Auch der berühmte Kampf gegen die Windmühlen gerät - welche Ironie! -zum Kampf gegen einen durch lichttechnische Illusion erzeugten gigantischen Gegner und symbolisiert damit Don Quijotes Kampf gegen die bösen Mächte der neuen, modernen Welt: Technik als schöpferische Kraft, die ihre eigene Fragwürdigkeit entlarvt!

Zu der an Witz und Kurzweil reichen Unterhaltung steuerten die übrigen Rollen ihren Anteil bei: die Freunde Don Quijotes, die den „Ritter“ mit einer List zurückholen wollen und dafür eine höchst amüsierende Doppelrolle spielen müssen – allen voran der Dorfpfarrer Perez (Tobias Braun, sehr abwechslungsreich), Barbier Nicolas (Nicolas Wood, ungeahnte zweigeschlechtliche“ und „musikalische“ Fähigkeiten entfaltend) und Nichte Antonia (besorgt und kämpferisch Anna Hummel) sowie Simson Carrasco (Felix Lampert), der unnachgiebig als „Ritter des weißen Mondes“ Don Quijote zur Aufgabe zwingt, trotzig als Student der Wissenschaften für das moderne Zeitalter kämpfend, das er von Don Quijote in Frage gestellt sieht, aber fast ängstlich, der Träumer könnte doch recht behalten. Der Herzog dagegen (Wanja Brünger, schrill und grell im  Lila-Anzug, mit Szenenapplaus) will „nur seinen Spaß haben“, an seiner Seite die Herzogin (Marie Burg). Das gute Gesamtbild rundeten der Wirt (Achim Stoltz, mit gewohnt schauspielerischer Routine den betrogenen Geizkragen karrikierend, Szenenapplaus!), die Haushälterin (energisch Stefanie Bub), der Hofmeister (Fouad Alameh),  die als „Dulcinea von Toboso“ verehrte Bäuerin Aldonsa Lorenzo (Lisa Kern), die Wirtin (Katharina Massow) und Yangueser (Lisa Vogel) ab.

Felix Faller als technischer Leiter erwies sich einmal mehr, auch angesichts der diesmal hohen Anforderungen an die technische Umsetzung, als Meister seines Fachs.

Musik, Komposition und Live- Performance Arthur Kujawas - ihm assistierte Thomas Romaskan - offenbarten Einfühlungsvermögen und bildeten eine künstlerische Einheit mit der anspruchsvollen Dramaturgie.

Mit langanhaltendem Beifall brachte das Publikum seine Anerkennung zum Ausdruck und rief die Akteure mehrfach auf die Bühne zurück.

Cervantes/Quijote

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