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- Die Presse -

DIE RHEINPFALZ,  14.12.1991

Von Geistern begeistert

Komödie von Noel Coward in der Aula der Gesamtschule

Magische, geradezu astrale Dinge taten sich beim Stück „Begeistert" der Theater-AG der Kooperativen Gesamtschule in Bergzabern, das am Donnerstag Premiere hatte. Dank der intellektuellen und handwerklichen Qualität des englischen Autors Noel Coward sowie vorzüglich disponierter, engagiert spielender jugendlicher Schauspieler konnte das zahlreich erschienene Publikum eine Aufführung genießen, die vieles bot: eine unterhaltsame Fabel, ausgesprochen amüsante, scharfsinnige Dialoge, humorvoll ausgetüftelte Personen und verblüffend komische Situationen. Wie immer in Cowards Stücken gab ein Schuß Sozialkritik und die ironische Belichtung gesellschaftlicher Zustände, Moden und Torheiten der lockeren Komödie ein über das reine Unterhaltungstheater hinausgehendes Gewicht und einen gleichsam persönlichen, höchst englischen, höchst skurrilen Charakter.

Den in Großbritannien so beliebten Umgang mit Geistern und Gespenstern hat Coward in „Begeistert" aufs Korn genommen und daraus ein herrlich spöttisches Lustspiel gedrechselt, das im Bühnenbild von Lutz Faoro (mit echten Gründerzeitmöbeln und auch ansonsten stilechten Attributen!) auch in Bergzabern sehr ironisch und liebevoll daherkam. Das frivole, ohne Reue unmoralisch ablaufende Märchen um den Schriftsteller Condomine und seine beiden Frauen, von denen die erste, verstorbene, ihm auf einer spiritistischen Sitzung erscheint, soll hier nicht zur Gänze erzählt werden, weil dabei die Spannung verloren ginge. Sicher ist auf alle Fälle, daß Berthold Blaes und seiner Truppe eine Inszenierung gelungen ist, für die einiges spricht: Detailtreue, genaue (angenehm „unpfälzisch" tönende) Sprache, viel Sinn für Humor und Situationskomik.

Überragend waren vor allem die drei weiblichen Hauptrollen besetzt, wobei man für die männlichen Schauspieler mildernd anmerken muß, daß Coward gerade in seine Phantasie-Frauen immer äußerst verliebt war und deren Affen besonders viel Zucker verabreichte. In Bergzabern konnte man's feststellen:

Sowohl Kathleen Doherty als derzeitige Ehefrau wie Kathrin Mollenhauer als verstorbene ließen ein Feuerwerk der theatralischen Zwischentöne abbrennen, das absolut überzeugte. Auch Cordula Weth als etwas altjüngferliches, spiritistisches Medium entwickelte einen enormen Sinn für Komik, ohne jemals in billigen Klamauk umzukippen.

Gegen soviel geballte weibliche Theatralik hatten es die Männer naturgemäß schwerer, auch wenn Philip Bach als geplagter, nichtsdestotrotz wollüstiger Ehemann einen inspirierten Part ablieferte, dessen einzelne Facetten allerdings noch stärker auszureizen gewesen wären. Gleiches gilt für Mark Lüdemann und Bianca Fuchs. Deren Dr. und Mrs. Bradman waren eine Spur zu trocken wie echter englischer Sherry. Auch Christina Fulda als Dienstmädchen Edith, deren dramaturgische Wichtigkeit man lange unterschätzt, hätte ruhig noch etwas exzentrischer daherkommen können.

Dennoch: Insgesamt zeigte die Theater-AG eine Leistung, die nicht nur überzeugte, sondern immer wieder Schmunzeln, Lachen und vor allem viel Applaus auslöste. Die original englischen Geister sind halt einfach die besten. Eine weitere Aufführung findet heute abend statt.

     GABRIELE WEINGARTNER

Coward/Geister

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