Dario Fo/Shit

Die Rollen

“Prolog”

Rosetta/Opa/Luigi

Die Täuschung

Das Verhör

Der Song

Der Inhalt

Der Autor

Die Presse

Mamma hat den besten Shit
- Die Presse -

Die Rheinpfalz, 28. März 2001

Abgehoben ins Irreale dank der ausgefeilten Kulissentechnik

Bad Bergzabern: Theater-Nachwuchs brilliert mit anspruchsvoller Satire im Stil der Comedia dell’Arte - Überzeugende Ensemble-Leistung

 > Seit rund 18 Jahren tritt die Theater- Arbeitsgemeinschaft der Kooperativen Gesamtschule immer wieder mit anspruchsvoller Theater-Literatur an die Öffentlichkeit. Von Ibsen über Molière, Brecht/Weill, Curt Goetz, Dürrenmatt bis Büchner reicht die Reihe der illustren Autoren, die von den jungen Akteuren bisher in Szene gesetzt wurden. Mit Dario Fos Komödie „Mama hat den besten Shit“ wurde jetzt ein weiterer Höhepunkt szenischer Gestaltung in der Schule gesetzt.

Geistiger Vater, Gesamtleiter, Regisseur, Ideengeber, Motivator und sicherlich auch väterlicher Freund dieser - wie die Ergebnisse dokumentieren - sehr intensiven Arbeitsgemeinschaft war und ist Berthold Blaes. Er ist glücklich, dass es ihm immer wieder gelingt, etwa zehn bis 14 Schülerinnen und Schüler für das Theaterspielen zu begeistern, die Lust am darstellenden Spiel auf der Bühne zu wecken. Meist sind es Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 bis 13, wobei die älteren natürlicherweise - so Blaes - als Leitbilder für die jüngeren beziehungsweise die „Neuen" fungieren, auf Grund ihrer Erfahrung" im Theaterspielen auch bei der Stückauswahl - die demokratisch erfolgt - ihr Gewicht in die Waagschale werfen.

Aber dies geschieht stets, so Blaes, unter der Prämisse, nicht oberflächliche, klamaukeske Effekthascherei auf die Bühne zu bringen, sondern seriöses Theater in bestmöglicher Qualität dem Publikum zu bieten, das jetzt bereits zwei Mal die Aula des Gymnasiums füllte.

Dies gelingt den Darstellern des aktuellen Stückes, einer äußerst anspruchsvollen Satire des Literaturnobelpreisträgers Dario Fo, in mehr als bemerkenswerter Art und Weise. Bemerkenswert auch deshalb, weil die Darsteller der tragenden Rollen heuer eben nicht die erfahrenen „Theaterhasen" sind, sondern quasi der „Nachwuchs" der AG aus den zehnten Klassenstufen. Gegründet auf einer erstaunlichen Bandbreite darstellerischer Ausdrucksfähigkeit in Mimik und Gestik und kultivierter Artikulation beim Sprechen und in der Stimmführung, entfaltete sich auf der Bühne ein sehenswertes Stück. Bissig, unkonventionell und - wie es im Programmheft heißt - mit einer Mischung aus Lachen und Ernst, eben mit Fos Mitteln, Übergriffe und Ungerechtigkeiten der Gesellschaft, und dazu zählt für Fo auch die Kirche, deutlich zu machen. All dies geschieht auf dem Hintergrund der 1969-er Woodstock-Blumenkinder-Zeit und des damals platzgreifenden wellenartig überbordenden Drogenkonsums der Flower-Power-Ära und der Folgezeit.

Ums Drogenproblem geht es auch in dem Stück, das gleichermaßen amüsiert, aber auch hochgradig sozialkritisch ist, jedoch ohne dabei vordergründig den moralischen

Zeigefinger zu heben. Es zeigt auf sarkastische, oft derb-burleske Art Lebensweisheiten auf, vermittelt Erkenntnisse und zielt auf Bewusstseinsveränderung,  ist schlechthin Dario Fos „teatro popolo"; Volkstheater. Es ist Theaterliteratur, die gesellschaftliches, politisches und kulturelles Engagement vereinigt, in Anlehnung an die italienische Commedia dell'Arte.

Schon der Beginn des Spiels lässt aufmerken. Da steigen aus schwarzen Ölfassern schwarzgewandete Gestalten mit weißen Masken und bewegen ihre Körper im Rhythmus, wie in Trance oder im Drogenrausch; andere schweben in der Tat durch die Luft, im Rausch abgehoben ins Irreale, natürlich mit Hilfe ausgefeilter Kulissentechnik. Ein eigenartiger Geruch, ja Dunst, durchzieht den Raum. Und dann muss Luigi (Felix Lampert) feststellen. dass sowohl Mutter Rosetta (Katharina Massow) als auch der Opa im Rollstuhl (Wanja Brünger) sich anscheinend aus ihrer bisher bürgerlichen Welt verabschiedet haben und als Produzenten, Dealer und Konsumenten ins Drogengeschäft eingestiegen sind - mit Shit, LSD, Koks und Marihuana! Sie schwärmen ihm, dem Drogenfreak, vor von grünem Afghan oder vom roten Libanesen, von LSD-Explosionen im Kopf, wie reife Granatäpfel und von ihrem absoluten Renner, dem Fix mit dem Giftskorpion und dem Gegengiftmittel als der besten Möglichkeit, „einen durchzuziehen«.

Luigi wird angesichts dieser Situation und durch das Auftauchen seiner heroinsüchtigen Freundin (Lisa Vogel) zusehends vom Verteidiger der Drogen zu ihrem Ankläger. In dieser geradezu surrealen, ja skurrilen Situation taucht der autoritätsgläubige, in Dro- gendingen unbedarfte und ahnungslose Antonio (Nicholas J. Wood) auf, ungeliebter Neffe Rosettas, der als Under-cover-Agent des Drogendezernats recherchiert. Auf derb-burleske Art wird er von allen an der Nase herumgeführt und gesteht, dass Pater Don Pierino (Antony Pattathu) als Drogen- Spitzel arbeitet. Damit nimmt das Spiel eine völlig überraschende Wendung und endet schließlich mit einem großartigen Gesangs-Playback des nun flower-powernden Antonio.

Wie gesagt, ein Theaterabend, der dem Publikum Spaß machte - häufiger Szenenapplaus und Lachen im Auditorium belegten dies. Besonders hervorzuheben aus einer in der Tat überzeugenden Ensemble-Leistung sind die Protagonisten des Stückes, aber auch die Nebenrollen wie die Komparserie trugen maßgeblich zum Erfolg der Aufführung bei. Bravo! (lif)

 

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Südpfalzkurier, 28. März 2001

    Tonnen-weise : Mamma hat den besten Shit, auf der Bühne der Kooperativen Gesamtschule Bad Bergzabern

Dario Fo schrieb diese ironische Komödie über Tabus und Protest und über die Revolte der kleinen Leute, die hier auch die "Alten" oder Älteren sind. Wogegen sie revoltieren, ist zwar keine Nebensache, Bevormundung und Schnüffelei, die Hauptsache scheint bei Fo allerdings immer die "commedia" zu sein. Sein ironischer Umgang mit dem Haschisch-Thema, die Satire der "Befreiungs-Kulte" und "der Profiteure", die atemlos-absurde Handlung müsste allerdings, vor allem mit jugendlichem Publikum, besprochen werden; dazu der satirische Blick auf (Nach-) Achtundsechzig und ein (unbeabsichtigter) Ausblick ins Jahr 2030, wenn die Alten und Grauen bereits längst die Mehrheit bilden werden. Die Alterspyramide lässt grüßen.

Nun zur Aufführung selbst. Um es vorwegzunehmen, es war ein packender Theaterabend, der mit gekonnten Regieeinfällen und gelungenen Einzeldarstellungen aufwartete... 

B. Blaes, zum Glück immer anfällig für Phantasie(n), verfiel auf die mitspielenden Tonnen als Hauptkulisse und als Prolog-Motiv (spektakulär, wie die Geister, die er rief, aus den Tonnen stiegen bzw. sogar zum Himmel aufstiegen). Es hätte nur noch gefehlt, dass "Großvater" (Wanja Brünger, überzeugend) wie Diogenes in einer Tonne gehaust hätte - rollstuhlbedingt allerdings ausgeschlossen. Auch das komödiantische Schlusswerk rund um einen Placebo-Skorpion gehörte zu den Höhepunkten der Regie.

Aus der ausgewogenen schauspielerischen Gesamtleitung wäre besonders die Arbeit von Lisa Vogel (Freundin Luigis) hervorzuheben.... Auch Katharina Massow schien die Rolle der "Mamma", Nicholas Wood die des Gangster-Polizisten, Antonio und Tobias Braun die des soutanetragenden Don Pierino wie auf den Leib geschneidert...

                                      Bernd Tesch

Dario Fo/Shit

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