Leben des Galilei
- Padua -

GALILEO  GALILEI,   LEHRER  DER  MATHEAMTIK  ZU  PADUA ,
WILL DAS NEUE KOPERNIKANISCHE WELTSYSTEM BEWEISEN.

Galilei: Glotzen ist nicht sehen.
            Also das
(er zeigt auf den
          Waschschüsselständer)
ist die
            Sonne. Wo ist die Sonne?
Andrea: Links.
Galilei:  Und wie kommt sie nach
              rechts?
Andrea: Wenn Sie mich nach
              rechts tragen, natürlich.
Galilei:  Nur so?
vollführt mit dem
             Stuhl eine halbe Drehung)

             Wo ist die Sonne jetzt?
Andrea: Rechts.
Galilei:  Und,was hat sich bewegt?
Andrea: Ich.
Galilei:  Falsch! Dummkopf!
             Der Stuhl!
Andrea: Aber ich mit ihm!
Galilei:  Natürlich. Der Stuhl ist die
             Erde. Du sitzt drauf.

Galilei (Alex Bach) ‘doziert’ mit Andrea Sarti (Daria Stehl)

Frau Sarti (Ina Jäger) : Was machen Sie eigentlich mit meinem Jungen, Herr Galilei?

 In dem Jahr sechzehnhundertneun
 Schien das Licht des Wissens hell
 Zu Padua aus einem kleinen Haus.
 Galileo Galilei rechnete aus:
 Die Sonn steht still, die Erd kommt von der Stell.

Galilei:
“Durch zweitausend Jahre glaubte die Menschheit, dass die Sonne und alle Gestirne sich um sie drehten. Der Papst, die Kardinäle, die Fürsten, die Gelehrten, die Kaufleute, Fischweiber und Schulkinder glaubten, unbeweglich in dieser kristallenen Kugel zu sitzen.
Aber jetzt fahren wir heraus, Andrea, in großer Fahrt. Denn die alte Zeit ist herum und es ist eine neue Zeit. Die Städte sind eng, und so sind die Köpfe. Aberglaube und Pest. Aber jetzt heißt es: da es so ist, bleibt es nicht so!...
Denn wo der Glaube zweitausend Jahre gesessen hat, eben da sitzt jetzt der Zweifel...

...Und es ist eine große Lust aufgekommen, die Ursachen aller Dinge zu erforschen. Den gefeiertsten Wahrheiten wird auf die Schulter geklopft;
was nie bezweifelt wurde wird jetzt bezweifelt.
Dadurch ist eine Zugluft entstanden, welche sogar den Fürsten und Prälaten die goldbestickten Röcke lüftet, sodass fette und dürre Beine darunter sichtbar werden, Beine wie unsere Beine.
Es hat immer geheißen,
die Gestirne sind an einem kristallenen Gewölbe festgeheftet.
Jetzt haben wir Mut bewiesen und lassen sie
im Freien schweben...”

Galilei (Alex Bach) :   Eine neue Zeit ist angebrochen,
                                   in der zu leben eine Lust ist.
Frau Sarti (Ina Jäger): So. Hoffentlich können wir auch
                                   den Milchmann bezahlen in
                                   dieser neuen Zeit, Herr Galilei.

Frau Sarti (Ina Jäger) : Jedesmal, wenn
       sie lachen kriege ich einen kleinen
       Schreck. Worüber lachen sie?
Virginia (Inga Häusler) : Vater sagt: Die
     Theologen haben ihr Glockenläuten,
      und die Physiker haben ihr Lachen.

Ludovico:  Und da die Mutter
      wünscht, dass ich mich
      auch in den Wissenschaf-
      ten umsehe...
Galilei: Privatunterricht: zehn
     Skudi pro Monat.
Ludovico:  Ich habe keinen
    Kopf für die Wissenschaften
Galilei: Aha.Unter diesen Um-
      ständen fünfzehn Skudi
      pro Monat...
      Und das Rohr, das sie in
    Amsterdam verkaufen, hatte
      2 Linsen? Sah es so aus?
      Wie alt ist die Erfindung?
Ludovico: Ich glaube, sie war
     nicht älter als ein paar Ta-
     ge, als ich Holland verließ.
Galilei: Und warum muss es
      unbedingt Physik sein?
      Warum nicht Pferdezucht?

Galilei (Alex Bach) weiß Ludivico (Boris Becker) ‘auszunehmen’, um sein täglich Brot zu verdienen. Sogar die Erfindung, von der Ludivico berichtet, wird Galilei zu Geld machen.

 Groß ist nicht alles, was ein großer Mann tut
 Und Galilei aß gern gut.
 Nun hört, und seid nicht grimm darob
 Die Wahrheit übers Teleskop.

Feierlich wird das ‘Galilei’sche’ Fernrohr den Gelehrten (Sascha Decker, Benjamin Bendrat links ) der Universität von Padua und dem Kurator Priuli (Christoph Lehnert mitte) überreicht. Virginia, Galileis Tochter (Inga Häusler), und ihr Freund Ludovico (Boris Becker) halten es zur Übergabe bereit.

Galilei: Ich sage dir, die
    Astronomie ist seit tau-
    send Jahren stehen
    geblieben, weil sie
    kein Fernrohr hatten.
Ratsherr: Ich werde mei-
     nen Frauen sagen
     müssen, dass das
     Baden auf dem Dach
     nicht mehr geht.
Ludovico: Ich gratuliere,
      Herr Galilei.
Galilei:  Ich habe es
       verbessert.
Ludovico:  Ich sah, sie
      machten das Futeral
      rot. In Holland war
       es grün.
Kurator: Ihre 500 Skudi
 sind unter Dach, Galilei.

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