Yvonne, Prinzessin von Burgund
- Dramaturgie -

Witold Gombrowicz, 1904-1969

Erst zehn Jahre nach der Entstehung – 1935 erschien das Schauspiel in der Warschauer Zeitschrift Skamander – feierte Yvonne die ersten Erfolge im Ausland.
Die tragikomische Geschichte, in der Gombrowicz das Thema der Unantastbarkeit existierender Normen und menschlicher Unzulänglichkeiten aufgriff, blieb vom polnischen Publikum unbeachtet. Zwei vorherrschende Neigungen – für Ritual und Zeremonie und für scharfe Zusammenstöße, Peinlichkeiten – verband Gombrowicz, indem er die unerträgliche Absonderlichkeit von Yvonne mit der selbstgefälligen Pracht und Würde
eines Königshofes konfrontierte.

Aus dem Programmheft...

Der Blick

Ich spaziere auf einer Eukalyptus- allee, da tritt plötzlich eine Kuh hinter einem Baum hervor. Ich blieb stehen, und wir sahen uns in die Augen.
Ihre Kuhigkeit verblüffte meine Menschlichkeit so sehr - so spannungsgeladen war dieser Moment, da unsere Blicke sich trafen - daß ich als Mensch, in meiner Gattung als Mensch, aus der Fassung geriet. Ein seltsames Gefühl, das ich wohl zum ersten Mal erfuhr - diese Scham des Menschen vor dem Tier. Ich ließ es zu, daß sie mich ansah und mich betrachtete - das machte uns gleich – infol-gedessen wurde auch ich zum Tier aber einem merkwürdigen,...sogar unzulässigen. Ich nahm den unterbrochenen Spaziergang wieder auf und ging weiter, aber mir war nicht recht geheuer... in der Natur, die mich von allen Seiten umgab und mich gleichsam... betrachtete. (2)

Was ist das, das Schreiben? Niemals habe ich mir diese Frage gestellt. Ich schreibe, entschuldigen Sie den Ausdruck, wie ein Kind, das hinter einem Baum pinkelt. Ich tue es, um mich zu erleichtern. Ich stelle mir nicht die Frage, ob das eine Rose oder die Poesie sei, ob das einer Quelle entspringe oder irgendeiner Mystik.

Die Schönheit

Im Motorboot gleiten wir über die still und dunkel liegende Wasserfläche im Dickicht der Inseln. Grün, blau, angenehm, amüsant. An einer Anlegestelle steigt ein Mädchen ein, das... Wie soll ich sagen? Schönheit hat ihr Geheimnis. Es gibt viele schöne Melodien, aber nur wenige sind wie eine Hand, die würgt. Diese Schönheit war so packend, daß allen ganz seltsam, vielleicht gar schamhaft zumute wurde und niemand wagte sie offen anzusehen, obwohl kein Auge war, das ihr bezauberndes Dasein nicht heimlich betrachtet hätte...Da begann das Mädchen seelenruhig in der Nase zu bohren...(2

Mein Theater

Mein Theater wählt ebenso seine eigenen Wege wie auch meine anderen Werke. Wenn ich ein Stück beginne, habe ich keine Ahnung, wohin es mich führen wird. Ebenso ist es, wenn es um das Ganze meines Theaters geht. Ich bin zynisch, rechne auf den Effekt, auf die Poesie und besonders auf den szenischen Wert. Drei Stücke, die ich geschrieben habe, wurden erdacht und beendet weit weg von irgendwelchem Einfluß, denn ich gehe und ging niemals in ein Theater, besonders, als ich in Argentinien fern von literarischen und Theater-Milieus lebte. Unter solchen Umständen mußte ich ausschließlich auf mich selber zählen. Als im Jahre 1964 zwei meiner Stücke auf der Bühne erschienen, zählte mich die Kritik zu dem absur-den Theater lonescos und Beckens. Indes waren meine Stücke, das eine 1935, das zweite 1946 geschrieben, also lange vor dem Theater Becketts und lonescos. Übrigens ist mein Theater kein Theater des Absurden, und ich bin grundsätzlich gegen die Manie des Absurden und überhaupt gegen den Ton der zeitgenössischen Literatur. Das wird langweilig. (3)

 

(1) F. Bondy/C.Jelenski; Witold Gombrowicz, Mün 1978

(2) Witold Gombrowicz, Tagebuch, Münch/ Wien 1988

(3) Witold Gombrowicz, Letztes Interview,  Münch 1988

Gombrowicz/Yvonne

Die Rollen

Szenen

Der Inhalt

Dramaturgie

Die Presse