Das Haus in Montevideo
-  Die Presse -

DIE RHEINPFALZ, 26. März 1990

In den Fallstricken der Versuchungen

Das Haus in Montevideo: Theater-AG präsentiert spritzig-frische Inszenierung der Goetz-Komödie

von unserem  Mitarbeiter  Martin Blankemeyer

BAD BERGZABERN. Vor über 400 Zuschauem spielte die Theater-AG der Kooperativen Gesamtschule am Donnersteg und Freitag Abend „Das Haus in Montevideo" von Curt Goetz. Die über 30 Mitwirkenden beeindruckten mit einer spritzigen Inszenierung der „Komödie im alten Stil über Moral, Versuchung und Belohnung der Tugend".

Das moralisch-ironische Boulevard-Stück mit witzigen Dialogen und blitzenden Pointen ist eine köstliche Satire auf die kleinbürgerliche enge deutsche Spießermoral der Jahrhundertwende, die durch die Aussicht auf eine Milllonenerbschaft bedenklich ins Wanken gerät. In das saubere, aber kärgliche Leben des pedantisch-engherzigen Oberlehrers Traugott Hermann Nägeler (dargestellt von Joachim Geil), seiner Frau Marianne (Cordula Weth) und seiner zwölf Kinder bringt eine unvermutete Erbschaft einige Verwirrung: Seine verstorbene Schwester, die einst wegen eines unehelichen Kindes aus der Familie verstoßen wurde, hat aus Rache dafür-verfügt, einen hohen Barbetrag nur dann auszuzahlen, wenn sich ihre Tragödie in der Familie ihres Bruders wiederholen sollte.

Nachdem alle Versuche fehlgeschlagen sind, eine solche Situation herbeizuführen, rettet allein die Entdeckung, daß der Tugendapostel selbst seit 18 Jahren unwissentlich in einer ungültigen Ehe lebt, die Moral der Familie vor dem Einsturz und damit die Erbschaft. Aus dem Fegefeuer der Versuchung gehen die Beteiligten mit einer weitherzigen Moralvorstellung und mit der Erkenntis, daß beinahe auch für sie die Tugend Ihren Preis gehabt hätte, hervor.

Unter Leitung von Berthold Blaes hatte die Theater-AG die Aufführung quasi in den letzten drei Wochen vorbereitet und einstudiert, trotzdem - oder gerade deswegen - wirkten die Leistungen spritzig-frisch und unverbraucht.

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Überraschend professionelle Leistungen einiger Darsteller ließen die Zuschauer streckenweise vergessen, daß es sich hier nicht um ein Gastspiel einer großen und bekannten Bühne handelte. Die konzeptionell geschlossene Gesamtleistung der Truppe macht es schwer, einzelne Schüler hervorzuheben - waren ihre Auftritte doch gerade in dieser Zusammenstellung unvergleichlich - doch sollten neben den Hauptdarstellern Kathrin Mollenhauer und Boris Becker als junges Paar sowie Bernhard Geil* und Mark Lüdemann als bürgerliche Honoratioren und besonders eindrucksvolle Repräsentanten der doppelten Moral nicht unerwähnt bleiben...

Curt Goetz meistgespieltes Stück ist für die junge Theatergruppe der Versuch, nach vielen gesellschaftskritischen, beladenen und anspruchsvollen Stücken (Ibsens Volksfeind, Dürrematts Besuch der alten 'Dame, Giraudoux Irre von Chaillot, Brechts Galileo Galilei und Büchners Leonce und Lena) mehr „Kunst fürs Volk" zu bieten, ein Stück, das weniger durch inhaltliche Aussage, sondern mehr durch hohen Unterhaltungswert die Gunst der Zuschauer zu erhaschen sucht Die häufigen spontanen Beifallsbekundungen des Publikums bewiesen den jungen Akteuren, daß man auch mit dieser Konzeption hier einen Stich machen konnte. Man darf gespannt sein, was sie sich als nächstes einfallen lassen .

Anders als es hier durch die bloße und nachrangige Auflistung des Pastors in einer Linie mit einer kleinen Nebenrolle zum Ausdruck kommt, ist/war die Rolle des Pastors neben der des Professors eine der tragenden Hauptrollen - noch dazu im gesamten Stück ständig präsent.
Die Dialogpartien der beiden Protagonisten zählten/zählen zu unseren Highlights.
                           (Anm.d.Th-Ag-Ltg.)

Götz/Montevideo

Die Rollen

Trautes Heim

Die Versuchung

Die Ohrfeige

Der Irrtum

Der Inhalt

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