Viel Lärm um nichts
- Der Autor -

Was ist ein Genie? Wie erkennt es seine Aufgabe? Bei Shakespeare heißt die Frage: Wie findet er die Stoffe und Themen, die ihm gemäß sind? Wie mischen sich die äußeren und inneren Impulse, so dass er heute zu einer Historie, morgen zu einem Liebesspiel, übermorgen zu einer Tragödie greift?

Ein fester Plan lag hier nicht vor, die Anregungen kamen von vielen Seiten. Wo sind die Ereignisse, die Erlebnisse, die ihn nötigten, die leichten sprudelnden Lustspiele und die historischen Mord- und Kampfstücke beiseite zu lassen, um den Hamlet zu schreiben, den Macbeth, den Timon und am Ende die dunklen Spiele der letzten Komödien?

Kennen wir ihn? Wissen wir um seine inneren Krisen, um seine Entscheidungen? Niemand wird einen Dramatiker mit seinen Figuren identifizieren, obwohl sie alle von ihm leben. In seinen Sonetten, die wahrscheinlich autobiographischen Charakter haben, erkennen wir das Wesen eines empfindsamen, leicht verletzlichen, hochherzigen Mannes, der seine ganze Liebeskraft preisgibt, unter seinem Schauspielerberuf leidet, Rivalen in der Gunst seines Mäzen fürchtet, eine dirnenhafte Frau liebt, die ihm von seinem Freunde weggenommen wird. Ist hier der

Vorhang fortgezogen, der diesen Schöpfer verhüllt? Da steht ein Mann inmitten der Wirbel des gewaltigen Lebensstromes, der seine Zeit fortreißt, und lenkt ihn in sein Theater. Er greift in die Literatur und holt sich dort seine Stoffe. Seine Figuren aber springen aus seinem Kopf. Er hat sie überall gesehen, diese großen Herren und die klugen, edlen Frauen, wie die Leute aus dem Volk, die Schäfer und Handwerker, die Kumpane aus den Tavernen, die Narren und Rüpel, die Liebespaare und die witzigen jungen Männer. Die ganze Welt ist ihm Bühne.

Mit zweiundfünfzig Jahren ist er gestorben. So früh erschöpft? Er wird in der Kirche zu Stratford beigesetzt, die Büste, die man über seinem Grab errichtet, zeigt einen Mann, der die Feder geführt hat. Die Biographie, die wir schreiben, kann nur seine Lebensräume darstellen, nicht sein Leben. Wir schreiben die Lebensgeschichte eines großen Werkes, nicht die eines unerforschlichen Menschen.
                                                                                                           
A. Günther

Viel Lärm um nichts

Die Rollen

Die Ankunft

Die Intrigen

Der Eklat

Die Liebe

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