Viel Lärm um nichts
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Viel Lärm um nichts

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Die Rheinpfalz, 27. Februar 2008

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Die Lehre von der Leere des  Nichts

BAD BERGZABERN: Theater-AG lässt in Shakespeare-Inszenierung Sein und Schein aufeinandertreffen - Noch zwei Aufführungen


In einer außerordentlich anspruchsvollen Inszenierung der Komödie „Viel Lärm(en) um  Nichts" nach William Shakespeare überträgt die Theater AG am Alfred-Großer- Schulzentrum Bad Bergzabern in diesem Jahr historische Worte in eine glitzernde Barbiewelt.


Schon der Beginn lässt die Zuschauer ahnen, dass kein „Original"-Shakespeare folgen wird: Ein Mönch lässt Isabella Schwarz als Marionette tanzen und gibt die Bühne frei für das Theater „Welt". In ihrer Oberflächlichkeit offenbaren sich Witz, Boshaftigkeit und Liebe als Überlebensstrategien einer Gesellschaft, die mit „Viel Lärmen" die Leere des „
 Nichts" zu verbergen sucht.


Und dieses „
 Nichts" ist das erste, was das Publikum sieht.  Nichts als eine Rampe mit einer zweiten Bühne, die eingehüllt ist in aufwändig drapierten schwarzen Stoff. Das Fehlen jeglicher Bühnendekoration lenkt die volle Aufmerksamkeit auf das gesprochene Wort, schließlich ist es die witz- und wortreiche Sprache, mit der Shakespeare seine Charaktere zeichnet. Etwa wenn er seine Protagonistin Beatrice ihren Freundinnen erklären lässt, dass sie sich nicht von einem „Dreckstück" beherrschen lassen wolle. Und was anders ist jedes männliche Geschöpf, wenn der Mann aus einem Klumpen Erde geschaffen wurde? Alle zwölf jugendlichen Darsteller gaben die nicht immer einfachen Dialoge bewundernswert textsicher und ausdrucksstark.


In der Haupthandlung stehen sich zwei Paare gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein können: Claudio und Hero, die sich kaum kennen, aber in romantischer Liebesvorstellung heiraten wollen, durch eine Intrige aber zunächst daran gehindert werden. Benedict und Beatrice dagegen schwören in gewaltigen Wortgefechten dem Gegengeschlecht ab, lassen mit böser Zunge kein gutes Haar aneinander und werden dennoch zum glücklichen Paar. Sie finden durch das Leid der unschuldig in Verdacht der Buhlerei geratenen Hero und im Bemühen einer Wiedergutmachung zueinander.


Sie entdecken die inneren Werte und ehrliches Gefühl, das ihre gesprochenen Worte Lügen straft - den Anstoß dazu liefert ihre Eigenliebe: Mittels einer List lassen die Freunde Beatrice und Benedict „wissen", wie sehr einer in den anderen verliebt sei - das imponiert beiden und sie lassen, wenn auch zunächst immer noch wortgewaltig zynisch, eine Annäherung zu.


Die Szenen der Nebenhandlungen fehlen gänzlich: Zum Beweis von Heros Unschuld genügt es Regisseur Berthold Blaes, Boracchio, den Schergen Don Juans, von einem Henker vorführen und die Tat gestehen zu lassen: Vor den Augen von Claudio und Don Pedro hatte dieser mit Zofe Margaretha in Heros Zimmer am Fenster eine Liebesszene gespielt, aber der Schwindel wurde aufgedeckt.


Berthold Blaes konzentriert seine Inszenierung auf die Charakterdarstellung: Die Schlüsselszene, in der sich der Geschlechterkampf zwischen Benedict und Beatrice in ein Liebesgeständnis auflöst, wird gleich zwei Mal gespielt: Pantomimisch sprechen Heinrich Schulz und Kristina Eckern den Text ohne Emotionen. Danach spielt das Paar dieselbe Szene zu kitschiger Filmmusik noch einmal. Dieses Mal liest Nicholas Wood aus dem Hintergrund den Dialog in unterschiedlichen Tonlagen, was der rührenden Szene wiederum einen komödiantischen Effekt verleiht: Was ist Schein und was ist Sein, gibt es sie, die „wahre Liebe", auf der Bühne „Welt"?


In den Kostümen wird die Welt des schönen Scheins durch glänzende Partyfummel, ondulierte Lockenmähnen und niedlich geschminkte Gesichter deutlich: Oberflächlicher Partyglanz statt tiefgründiger Beziehungen, gesellschaftstaugliches Geplänkel statt ehrlicher Worte.


Bei Signora Leonata (Katharina Baagt) wollen sich die Soldaten vom Krieg erholen - und erobern nicht Feinde, sondern Frauen. Unglücksstifter Don Juan (Sascha Daniel) verkörpert in Motorradkluft rebellische jugendliche Subkultur. Zum Rocker-Outfit hätten Lukas Schimpf mehr Esprit und krimineller Ausdruck in der Darstellung angestanden, um die hämische Bosheit zu verdeutlichen.


Die Wandlung der Beatrice vollzieht sich äußerlich anschaulich dadurch, dass Kristina Eckern zur glaubhaften inneren Wandlung die schwarze Hose gegen ein aufreizendes glutrotes Kleid tauscht. „Benedict" Heinrich Schulz trägt zur Verstärkung des überzeugenden feurigen Temperaments ein rotes Hemd.


Cleo Schröer gibt die „Hero" als oberflächliches Blondchen in türkisfarbenem Tanzkleid und als zerbrechliche Unschuld im Hochzeitsgewand - Barbie würde vor Neid erblassen. Brav gescheitelt gibt Ole Sasse dem „Claudio" die Zurückhaltung eines Warmduschers, der für Beatrice keinen „Mann" darstellt. Seine Liebe beschränkt sich auf seichte gesellschaftliche Manier.


Wo Sein und Schein aufeinander treffen, setzt der Regisseur zusätzlich musikalische Effekte ein: Heiße Tanzrhythmen wechseln mit dramatischem Pizzikato und gefühlvollen Melodien. Mit heftigem Applaus machte das Publikum am Samstagabend deutlich, dass ihm diese Interpretation des altenglischen Meisters gefallen hat.


Morgen, Do, 28. Februar und am Samstag, 01. März, jeweils um 20 Uhr finden weitere Aufführungen in der Aula des Alfred Großer Schulzentrums statt. Infos im internet: www.theater-ag-bza.de (srs)

ITSCHNW

Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe: Nr.49
Datum: Mittwoch, den 27. Februar 2008 Seite: Nr.41 "Deep-Link"-Referenznummer: '3262215'
Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper

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SÜDPFALZKURIER, 05.03. 2008

Zur Aufführung von Brechts ”Der gute Mensch von Sezuan” durch die Theater-AG am Alfred-Grosser-Schulzentrum Bad Bergzabern

 Von  Thomas Jean Lehner

    Viel Lärm um Nichts

    Mit ihrer Shakespeare-Inszenierung überzeugte die Theater-AG des Alfred-Grosser-Schulzentrums Bad Bergzabern an vier Abenden (Do. 21.Feb., Sa. 23. Feb., Do. 28. Feb. und Sa. 01. März 2008) ihr Publikum.


    Muss man bei so viel schönem Schein noch wirklich sein – oder ist es überflüssig geworden, genügt der eitle Schein allein?

    Der Schauplatz: eine Gesellschaft, die ihre Oberfläche so poliert, dass die raue Wirklichkeit dahinter fast verschwindet.

    Wie immer geht Schultheater-Intendant und Regisseur Berthold Blaes von einer pädagogischen Frage aus, die er mit den jugendlichen Schauspielern und dem alten Shakespeare zu klären versucht.

    Viel Lärm um Nichts (oder eigentlich: Viel Getue um Nichts) trifft auch noch nach über dreihundert Jahren einen Nerv: Alles nur Show.

    Das „Wer mit wem“ beherrscht die Gemüter, und wenn überhaupt noch nachgedacht wird, dann über den eigenen Gemütsschmerz - oder wie man ihn anderen zufügen könnte. Das ist mehr als Nichts, das ist (schon) alles, worum es in diesem Schwank geht. Der Konflikt besteht schlicht darin, dass junge Leute beiderlei Geschlechts mit dem Wort Liebe nicht unbedingt dasselbe meinen.

    Wie man daraus vergnügliches, kurzweiliges Theater für ein tausendköpfiges Publikum machen kann, führt die Inszenierung, die 24. der Theater-AG des Alfred-Grosser-Schulzentrums unter der Leitung von Berthold Blaes, mit viel Schwung und Musik vor. Dialogwitz und Körpersprache, ballettartige Einlagen, dramaturgisch zielsicher gesetzt, reißen das Publikum zu offenem Szenenapplaus hin. Darüber vergisst man fast, wie viel harte Arbeit hinter einer solchen Präsentation steckt, denn sie kommt leicht daher wie das Stück selbst, das kaum mehr als ein Operetten-Szenario bietet.

    Die Kehrseite der scheinbaren Leichtfertigkeit zeigt Shakespeare nicht, sondern überlässt sie der Nachdenklichkeit des Publikums. In diesem Punkt ist Berthold Blaes skeptischer. Er fügt deshalb einen Prolog und Epilog hinzu. Auf beinah schwarzer Bühne sieht man die ganze Spaßgesellschaft, wie sie marionettengleich an unsichtbaren Fäden hängt, die aus dem Hintergrund gezogen werden. Und da stellt sich dann doch ein Grübeln ein, eben das - was heute als „uncool“ gilt -, ob die Fäden, an denen wir hängen unsere Triebe sind oder gewisse Geschäftsinteressen der Unterhaltungsindustrie. Oder beides.

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