Lysistrate
- Dramaturgie -

Dramaturgie

Literarhist. Kontext

Aufbau und Struktur

Deutungsansätze

Die Entlarvung des Chauvinismus

P robleme der Gewalt werden in Aristophanes’ „Lysistrate“ prismenhaft vorgeführt. Und das Stück wirft in jener grundsätzlichen Art, wie sie antiken dramatischen Werken eigen ist, etliche Fragen auf: Ist der Krieg nur entstanden, weil männlicher Chauvinismus und männliches 'Balzgehabe’ IHN dazu bringen, sich gegenüber den Artgenossen zu beweisen? Der Mann, Jäger im archetypisch gefassten Sinne, von deformiertem Trieb gesteuert, vom Zwang gelenkt, sich der Frau und den anderen überlegen zeigen zu müssen?

Ist der Krieg aber tatsächlich so banal und überflüssig, dass er einfach nur via weibliche Reize durch das Natürliche, das Ursprüngliche, das Unverfälschte, Unzivilisierte, Triebhafte verhindert werden kann? Bringt also gerade die so genannte Zivilisation den Krieg erst hervor? Und bedeutet diese Rückbesinnung auf das Ursprüngliche, auf den Naturzustand also, die Abschaffung der Gewalt?

Weitere Gedanken drängen: Inwieweit fördern die Frauen gar durch ihr typisch weibliches Rollenverhalten erst das Macho-Verhalten der Männer und die Konfliktpotentiale einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft, übertragen sie deren Verhaltensstrukturen, die sie doch so abzulehnen scheinen, auf ihre Söhne? Sind die Frauen so, weil sie in dieser patriarchalisch bestimmten Welt aufgewachsen sind, zwingen die gesellschaftlichen Strukturen die Frauen, sich so zu verhalten? Erzeugen jene – quasi als Reflex auf männliches Machtspiel - den Narzissmus, der die Frauen antreibt, ihr Verhalten darauf auszurichten, dass die Männer sie begehren? Zwar scheint im Weiblichen das Prinzip des Friedlichen und der Harmonie zu ruhen, aber fühlen die Frauen sich nicht in jenen die Emanzipation verhindernden Strukturen wohl? Akzeptieren sie, auch wenn sie für den Frieden kämpfen, nicht allzu gern die ihnen zugedachte Rolle der Kokettierenden und festigen so die alten Strukturen? Verändern die Frauen sich gar im Magnetfeld der Macht? Ist es Zufall, dass Frauen in Spitzenpositionen oft jene har-ten, als typisch männlich empfundenen Züge tragen? Sind Narzissmus und Machtorientiertheit gar nur der äußeren Erscheinung nach geschlechtsspezifisch, in Wahrheit aber geschlechtsunabhängige, durch soziale Herrschaftsstrukturen bedingte Deformierungen der Zivilisation, wobei männliches und weibliches Sozialverhalten – durch ihr antagonistisches Verhältnis aneinandergekettet - in einem gegenläufigen Teufelskreis fatal ineinandergreifen?

Fast jede Inszenierung des aristophaneischen Stücks scheint ohne die plakative Präsentation des „Make love not war“ nicht auskommen zu können. Mit unserer Inszenierung rücken wir stattdessen die Frage ins Blickfeld, inwieweit letztlich der Mann Täter und, verführt, Opfer ist, inwieweit Gleiches für die Frau gelten kann – trotz der Komödienhandlung eine Konstellation mit durchaus tragischen Zügen.. .
                                                                                                             
  Berthold Blaes

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Die Aufführungen von Aristophanes’ Stücken müssen noch sehr an kultische Gebräuche erinnert haben — nicht zufällig ziehen Chöre und Protagonisten am Schluß des öfteren zu Festlichkeiten aus der Arena. Kultische Gebräuche haben sich noch am ehesten im Chor (der aus vierundzwanzig Choreuten bestand) erhalten. Er imitiert des öfteren Tiere, wie gesagt: Frösche, Wespen, Vögel, Störche; stellt aber auch Imaginäres dar: Wolken, Jahreszeiten. Die Maske wird durch Schwänze, Felle, ausgebreitete Flügel ergänzt. In den Vögeln treten die buntbefiederten Mitglieder des Vogelstaates einzeln auf, damit die Zuschauer ausreichend Gelegenheit haben, die Kostümierung zu bewundern. Die Affinität zum Tanz liegt nahe.

E in Prototyp des Tanzes ist der (obszöne) Kordax. Die Schauspieler tragen grundsätzlich Masken. Frauenrollen werden von Männern gespielt. Die Masken imitieren zuweilen karikierend berühmte Persönlichkeiten (Staatsmänner; Sokrates soll sich während der Aufführung der Wolken von seinem Platz erhoben haben, um dem Publikum den Vergleich mit seiner karikierten Wiedergabe auf der Bühne zu ermöglichen) oder Götter (Herakles). Ansonsten bilden sie grotesk verzerrend Typen nach, mit «quellenden Glotzaugen, kleinen Stumpfnasen und breit gezogenen Mündern, die ein unheimliches Grinsen zeigen» (G. Krien).

D ie grotesken Übersteigerungen setzen sich im Kostüm fort: dick werden Bauch und Hintern ausgestopft; Brustwarzen und Bauchnabel werden zuweilen aufgemalt. Die grotesk verzerrende Staffage mag in einem ebenfalls übersteigerten Gebärdenspiel eine Parallele und Fortsetzung gefunden haben. Die Sprechweise war differenziert: lyrische wechselten mit drastisch- spötti- schen Passagen; außerdem wurden sicherlich Tonfall und Gestus der karikierten Zeitgenossen übertreibend kopiert. Die Szene war von derjenigen der Tragödie nicht grundsätzlich verschieden. Heinz Kindermann nimmt an, dass das Dach des Skene-Gebäudes ins Spiel mit einbezogen wurde; er berichtet außerdem von einem Kran, der, an der linken inneren Ecke der Skene stehend, Götter, Menschen, Tiere oder den Mistkäfer im frieden durch die Luft befördern konnte.

Man muss sich — nach alledem — Aristophanes-Aufführungen als belustigende Spektakel vorstellen, in denen sich Wortspiele und Tanz, satirische Angriffe in Wort und Bild auf berühmte Zeitgenossen, Theaterzauber und Götteranrufungen, phantastisches Treiben und lyrische Gesänge zu neuer Einheit verbanden.
                                                                               
Klaus Eder, Antike Komödie, Hannover 1974

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Literarhist. Kontext

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Deutungsansätze

Aristophanes/Lysistrate

Rollen

Lysistrate

Die Frauen

Stratillys

Probulos/Strymodoros

Myrrhine/Kinesias

Die Männer

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