Der Streit
- Die Presse -

DIE RHEINPFALZ, 30. Mai 1995

Herausforderung großer Gefühle gemeistert

Theater-AG des Gymnasiums zeigt Marivaux‘ Stück „Der Streit“
 - Gewohnt gute Ensembleleistung -

von unserem  Mitarbeiter  Martin Blankemeyer

Keine Premiere im eigentlichen Sinne bot die Theater-AG des Gymnasiums mit ihrer Inszenierung des Pierre Carlet de Marivaux-Stückes „Der Streit" am Samstag abend. Vielmehr wird hier ein uraltes, ewig alltägliches Muster im Umgang der Geschlechter miteinander untersucht: die Untreue. Wie Kaspar Hauser werden junge Menschen isoliert von der Gesellschaft aufgezogen und im Erwachsenenalter zusammengeführt. Dadurch soll die Frage beantwortet werden, wer die Treulosigkeit in die Welt gebracht hat: Mann oder Frau..

... Die  Hauptfiguren Eglé und Adine tragen ihr Ringen um die Gunst des anderen Geschlechts skrupellos aus und sabotieren dadurch aus eigenem Antrieb Ihre anfangs glücklichen Beziehungen. In der Männerwelt wird die dramaturgische Parallele nicht gezogen - Azor und Mesrin schwelgen in binnengeschlechtlicher Solidarität ...

Die Sinnlichkeit zwischen den beiden Geschlechtem wird allein durch Andeutungen in zärtlichen Gesten für den Zuschauer auf die Bühne gezaubert. Es bleibt an Echtheit nichts zu wünschen übrig, ohne durch plakative Theater-Libertinage und falschverstandene Freizügigkeit das Schamgefühl des Publikums herauszufordern. Dieses Konzept, den Zuschauer zum Mitfühlen anzuregen, untestreichen musikalisch unterlegte Standbilder als Besinnungspausen,

Es ist eine große Herausforderung für die Darsteller, emotionale Zustände zu spielen, die von ihnen dergestalt wohl kaum bereits an eigenem Leib und eigener Seele erlebt wurden.

Regisseur Berthold Blaes ist für die sichere Anleitung größter Tribut zu zollen, die die gezeigte Authentizität wohl erst ermöglichte. Blaes, der die Theater-AG seit 1985 leitet und mit dieser Produktion sein zehnjähriges Bestehen feiert, ist, Theater-Autodidakt - so erfolgreich allerdings, daß der Südwestfunk bereits seine Abwerbung versucht haben soll.

Zur Bewertung siehe auch:
Buntes/ “Ein Brief” !

 

Nach großartigen Erfolgen der Theater-AG, erinnert sei nur an Brechts Dreigroschenoper, boten diesmal Matthias Beck, Bianca Fuchs, Christina Fulda, Timo Hecker, Clarissa Hemnann, Ines Höltje, Alexander Ninnig, Caroline Paetsch, Thomas Regner, Tina Schnörringer und Mario Willersinn eine bekannt geschlossene Leistung, die sich sowohl in der Darstellungsqualität als auch in gemeinsamem Engagement für Bühnenbild, Choreographie, Kostüme und Maske unmöglich filetieren läßt.       Die Theatergruppe rahmt ihr Stück doppelt in der interessanten Spannung zwischen trockenen Dialogen zur Streitfrage und getanzten Choreographien, die einerseits Spannung und Intensität für den folgenden Geschlechterkampf auf der Bühne entfachen, andererseits aber die im Stück entwickelte Perspektive in Frage stellt. Das engagierte Ensemble, die ansprechende Inszenierung - insbesondere das gelungene Ineinanderflechten von Sprechtheater und zeitgleicher Pantomime und das im frankophilen Bergzabem geschickt gewählte Stück mit Motiven von Rousseau und Molière - bescherten den Besuchern ein Theatererlebnis, das sich mit gutem Gewissen weiterempfehlen läßt. Für diese Leistung gehört der gesamten Theater-AG und ihrem Leiter großes Lob, wie es der nicht enden wollende Beifall des begeisterten Publikums denn auch eindrucksvoll bezeugte.

Mehr soll hier - um den Genuß folgender Aufführungen nicht zu schmälem - nicht mehr verraten werden. Zu sehen ist das Theaterstück nochmals heute, Dienstag, und am Donnerstag, l. Juni, jeweils um 20 Uhr in der Aula. Die Theater-AG zeigt „Der Streit" im Rahmen von Theatertagen auch am Freitag, 2. Juni, ab 20 Uhr beim Pfalztheater in Kaiserslautern (Kulturzentrum Kammgarn) sowie am Freitag, 23. Juni, ab 17.30 Uhr bei der Badischen Landesbühne in Bruchsal (Studiobühne Hexagon).

Ionesco/Nashörner

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