Der Menschenfeind
- Die Presse -

Die Rheinpfalz, 05. April 2003

Theater-AG unterstreicht ihr Niveau

Bad Bergzabern: Heute weitere Aufführung von Molieres „Menschenfeind"

 von  Monika Gabriel

„Aufrichtig sein und ehrlich bringt Gefahr." Schon Shakespeare wusste um die Unannehmlichkeiten, die dem Ehrlichen von Seiten der vielen Heuchler auf der Welt drohen.


Überzeugten ihr Publikum: Tobias Braun als Oronte und Nicholas Wood als Alceste.-FOTO:THÜRING

Was sagt man wem wie ins Gesicht und wann ist es besser, den Mund zu halten? Zentrale Fragen, an denen sich bis heute nichts ge-
ändert hat, umkreist Moliere in seinem Stück „Der Menschenfeind". Seit der Uraufführung 1666 in Paris hat der Text nichts an seiner Aktualität verloren. In diesem Jahr hat sich die Theater-AG der Kooperativen Gesamtschule Bad Bergzabern des Stoffes angenommen.

Seit rund 20 Jahren konzentriert sich die Truppe unter Leitung von Berthold Blaes auf die Interpretation von anspruchsvollen Klassikern im weitesten Sinne: Ibsen, Brecht, Dürrenmatt, Fo und andere finden sich in der Chronik. Die Auswahl der Stücke erfolgt zusammen mit den Schülern, wobei Blaes Wert legt auf Themenvielfalt, Vielschichtigkeit und Ernsthaftigkeit. Neben der Unterhaltung soll Nachdenkliches und Anspruchsvolles geboten werden. So fiel die Wahl dieses Jahr auf eine etwas sperrigere Bearbei- tung des Menschenfeindes (Übersetzung von Jürgen Gösch und Wolfgang Wiens). Tatsächlich bringen die Schauspieler eher eine Tragödie mit komischen Elementen auf die Bühne als die allseits erwartete Komödie. Bei der gut besuchten Premiere am Donners- tagabend überzeugte die professionelle Inszenierung ebenso wie die brillanten schauspiele- rischen Leistungen insbesondere der beiden Hauptdarsteller. Die Handlung wird aus dem 17. Jahr- hundert ins heutige Handy-Zeitalter verlegt, gestresste Yuppies hetzen zu Klängen aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten" über die Bühne. Spätestens jetzt ist klar - alles was hier gesagt wird, könnte heute ebenso passieren. Alceste liebt Celimene - so weit, so gut.

Aber noch mehr liebt Alceste die Wahrheit und die Ehrlichkeit. Seine Angebetete hingegen liebt es, mit flatterhaftem Charme die Männerherzen zu erobern und an der Nase herumzufuhren. Gekonnt spielt sie auf der Klavia- tur der Etikette und der Eitelkeiten und wird dafür - scheinbar - von allen geliebt. Es kommt zu vielerlei Aussprachen und Verwicklungen, bei denen man sich ganz sicher ist „Der Ehrliche ist immer der Dumme", am Ende jedoch zwei- felnd fragt „Oder währt Ehrlichkeit doch am längsten?".

Nicholas Wood spielte den Alceste mit der der Rolle ange- messenen Inbrunst, seine Wut über die gesellschaftlichen Zu- stände entspricht dem ohnmäch- tigen Gefühl, das Jugendliche heutzutage auch gegenüber Politik und Medien empfinden mögen. Eines sagen und etwas ganz anderes tun - das gehört verboten.
Lisa Vogel zeigte Celimene als Gesellschaftsluder, ohne dabei ihre verletzliche Seite zu vernach- lässigen. Durch die einfühlsame und streng auf die Charaktere konzentrierte Regie von Berthold Blaes sind fast alle Figuren in ihrer Gesamtheit überzeugend, selbst die giftige Arsinoe (Julia Köller), die oft nur als schrille Schreckschraube gezeigt wird, wird als Mensch verständlich und greifbar. Die Besetzung des Philinte (Angela Blaes) mit einer Frau statt einem Mann lässt Alceste wahrhaftig ganz allein dastehen mit seinen Zielen zur Weltverbesserung. Allerdings verliert die Rolle durch diese unkonventionelle Lösung gele- gentlich etwas an Tragfähigkeit. Einen Sonderapplaus gab es für Tobias Braun als begriffsstutzi- gen Diener Dubois. Die beiden Grafen (Jan Lendle als Acaste und Maurice Acker als Clitandre) amü- sierten ihren Rollen entsprechend und ohne Angst vor Selbstironie. Großes Lob auch für das Bühnen- bild, das durch die Schattenspiele und flexiblen Aufbauten für Abwechslung und spannungs- reiche Momente sorgte.

Mit dieser Inszenierung unter- streicht die Theater-AG erneut ihren guten Ruf als professionelle und anspruchsvolle Laienbühne. Kein Wunder, dass wieder Gast- spiele geplant sind. Verdienter, lang anhaltender Applaus für ein spielfreudiges und hervorragen- des Ensemble.
 

AUFFÜHRUNGEN

Heute, Samstag, sowie am 8. und 10. Mai, jeweils 20 Uhr, Aula des Gymnasiums Bad Bergzabern. Am 29. April, 19 Uhr, Werkstattbühne Pfalztheater Kaiserslautern, voraussichtlich im Mai im Hexagon, Badische Landesbühne Bruchsal

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SÜDPFALZKURIER, 08.April 2003

Die Untiefen der Oberfläche – Theater vom Feinsten

Die Theater-AG des Gymnasiums Bad Bergzabern spielt Molières ’Menschenfeind’

 von  Joachim Geil

Am vergangenen Samstag führte die Theater-AG der Kooperativen Gesamtschule Bad Bergzabern nochmals ihr neu erarbeitetes Stück „Der Menschenfeind“ von Molière auf.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich junge theaterbegeisterte Schüler mit den unterschiedlichsten Autoren und Stücken auseinander- setzen: Sie tun es mit der lang- jährigen Erfahrung ihres Leiters Berthold Blaes, dem es seit 20 Jah- ren gelingt, Generationen von Schülern des Bergzaberner Gym- nasiums nicht nur für Theater zu begeistern, sondern mit ihnen auch in konsequenter Probenarbeit Inszenierungen und Interpretatio- nen zu erarbeiten, die in Aussage- gehalt und ästhetischer Durchdrin- gung Gültigkeit haben.

Diesmal ein Klassiker der französi- schen Komödie. Doch, Augenblick mal! Was da an psychologischen Nuancen, an spannungsreichen Charakteren, an mitreißenden Konflikten auf die Bühne kam, das hatte bei allen geistreichen Wen- dungen einer Verskomödie eine ungeahnt tragische Tiefe – und das von einem Ensemble von 15- bis 19jährigen Akteuren!

Die Inszenierung von Blaes bestach durch eine stringente Auslotung der Konflikte und eine schnörkellose äußere Form.

Abgesehen von ein paar heiteren burlesken Slapstick-Einlagen, die spontanen Szenenapplaus hervor- riefen, wurden schonungslos menschliche Stärken und Schwächen und die Schwächen der Stärken und die Stärken der Schwächen verhandelt, was in einem geradezu nervenaufreiben- den Finale gipfelte, das das gebannte Publikum ohne Happy End entließ.

Ein karges, wandlungsfähiges Bühnenbild der Andeutungen und der eindringlichen Lichtstimmun- gen lenkte gemeinsam mit der überaus einfühlsam ausgewählten Musik eines unerwartet zeitlosen Barock die Aufmerksamkeit ganz auf das Kammerspiel der jungen Darsteller.

Im konzentrierten Ensemble hervorzuheben: ein quälend eindringlicher Nicholas Wood als Alceste, eine charmante und zugleich verzweifelte Lisa Vogel als Célimène, burlesk-komödian- tisch Jan Lendle als Acaste und Maurice Acker als Clitandre sowie das überraschende Debut von Angela Blaes, verbindlich und freundschaftlich als Philinte. Daneben setzten auch Tobias Braun als Oronte und Dubois, Julia Köller als Arsinoé und Carina Thamerus als Éliante vielschich- tige Akzente.
Stehende Ovationen – verdient!

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K a i s e r s l a u t e r n                                     Die Rheinpfalz, 05. Mai 2003

Schultheatertage auch im kommenden Jahr

Jugendreferent des Pfalztheaters lobt die Akteure

Begeistert über die “sehr vielseitigen und vielfältigen” Formen der gezeig- ten Stücke hat sich Axel Gade, Jugendreferent und Dramaturg am Pfalztheater,  gezeigt. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ zog er eine Bilanz der Schultheatertage...

...Semi-professionelle Qualitäten sprach er der Arbeit der  Theater AG des Gymnasiums in der Kooperati- ven Gesamtschule Bad Bergzabern zu. Bei Moliéres “Der Menschenfeind”

habe man gemerkt, dass “die 19-jährige Kontinuität in eine Gruppe hineinwächst.”...

...Zum anderen hätte er sich “mehr Neugier der Beteiligten an den Stücken der anderen Gruppen gewünscht”, was gerade die Bergzaberner verdient gehabt hätten...

Molière/Menschenfeind

Die Rollen

Alceste/Philinte

Alceste/Oronte

Alceste/Célimène

Alceste/Gesellschaft

Der Inhalt

Der Autor

Dramaturgie

Die Presse