Kabale und Liebe
- Die Bedrohung -

Noch schwärmt Luise (Angela Blaes, vorn ) von ihrer Liebe zu Ferdinand:
         “Als ich ihn das erste Mal sah - und mir das Blut in die Wangen stieg, froher
          jagten alle Pulse, jede Wallung sprach, jeder Atem lispelte: er ist’s, und mein Herz
         den Immermangelnden erkannte, bekräftigte: er ist’s...”
Doch den Eltern, Vater Miller (Heinrich Schulz) und Mutter Millerin (Sarah Merabet), ratlos, sinnierend im Hintergrund, ist ihre Sorge um die unheilvolle, weil unstandesgemäße, Beziehung ihrer Tochter Luise (Angela Blaes) bereits anzusehen.

Fotos: Tobias Reinmuth

Bad Bergzabern

Miller (Heinrich Schulz): ”Das Mädel setzt sich alles Teufelszeug in den Kopf; über
           all dem Herumschwänzen in der Schlaraffenwelt findet’s zuletzt seine Hei-
           mat nicht mehr, vergisst, schämt sich, dass sein Vater Miller, der Geiger ist..
           Das Mädel ist schön - schlank - führt seinen netten Fuß. Unterm Dach mag’s
           aussehen wie’s will. Darüber kuckt man bei euch Weibsleuten weg, wenn’s
           nur der liebe Gott parterre nicht hat fehlen lassen.”

"Ich kann ihn (Ferdinand) dir nimmer geben." Miller (Heinrich Schulz) hat Angst um seine Tochter Luise (Angela Blaes). Nur Mutter Millerin (Sarah Merabet) glaubt an eine ‘gute Partie’ für Luise, dass es Ferdinand “nur um ihre schöne Seele” gehe: “Sei artig, Miller... Ich mein ja nur, man müss den Herrn Major nicht disgüschtieren, weil er des Präsidenten Sohn ist.”

Die Eltern:

Miller (Heinrich Schulz): “Er wird dem Mädel
          eins hinsetzen und verschwindet!”

Mutter Millerin indes sorglos, stolz auf ihre Tochter, prahlt - unvorsichtig - gegenüber Wurm damit, dass Luise mit Ferdinand eine bessere Partie mache als mit ihm.

Der Intrigant:

Wurm (Ludwig Berger) macht seine Rechte auf Luise geltend: ”Sie haben mich jederzeit den Mann von Wort
                lassen und meine Ansprüche auf ihre Tochter
                waren so gut als unterschrieben...”

Foto: Thorsten Keesser

Der Präsident (Nicholas Wood), von seinem eifersüchtigen und  intriganten Sekretär Wurm über das heimliche Liebesverhältnis seines Sohnes zur bürgerlichen Luise informiert, stellt Ferdinand zur Rede, fordert, dass er aus politischen Gründen eine Verbindung zu Lady Milford eingehen müsse:

    ”Ferdinand, ich beobachte
     dich schon eine Zeitlang,
     und finde die offene rasche
     Jugend nicht mehr, die mich
      sonst so entzückt hat.
     Ein seltsamer Gram brütet auf
     deinem Gesicht. Du fliehst
     mich - du fliehst deine Zirkel.

Du wirst die Uniform ausziehen und in das Ministerium einziehen. Der Fürst sprach

  vom Geheimen Rat - Gesandt-
schaften - außerordentlichen
Gnaden. Eine herrliche
 Aussicht dehnt sich vor dir.
Das begeistert dich nicht?...

Ferdinand (Eric Sasse):
   
     ”Weil meine Begriffe von Größe und Glück nicht ganz die Ihrigen sind. Ihre Glückseligkeit macht sich nur selten anders als durch Verderben bekannt...

...Ich kann, ich darf - bedauern sie mich - ich kann die Gräfin nicht lieben.”

Präsident:

“Du bist bei der Lady gemeldet.
Der Fürst hat mein Wort.
Stadt und Hof wissen es richtig. Wenn du mich zum Lügner machst - Höre, Junge - oder wenn ich hinter gewisse Historien komme!Halt!
Was bläst auf einmal das Feuer in deinen Wangen aus?.....Wenn ich die Spur finden sollte! - Ha, Junge!

 Der bloße Verdacht bringt mich zum Rasen. Du wirst bei der Lady sein...    Wenn ich

auftrete, zittert ein Herzogtum.
Lass doch sehen,
ob mich ein Starrkopf von
Sohn meistert. Junge, ich sage
dir, du wirst dort sein  -
Oder fliehe
meinen Zorn!”

Fotos: Tobias Reinmuth

Schlimme Vorahnungen -
Präsident v. Walter wird bald
in die beschauliche bürgerliche
Späre der Millers einbrechen.

Millerin (Sarah Merabet):
     “Was gibt es denn?”
Miller (H. Schulz):
    ”Was wird es geben,
      du Rabenaas?
      Der Teufel ist los!
      Der Wurm hat geplaudert!”
Millerin:
    “Wohinaus nun? Was nun
      anfangen?
      Vater Miller, so rede doch!”    

Ferdinand (Eric Sasse), nach dem Besuch bei Lady Milford verstört, von Schuld-
gefühlen geplagt, beim Anblick Luises von der Liebe zu ihr überwältigt:
                           ”M e i n  bist du, und wärfen Höll und Himmel sich zwischen uns.”
Luise (Angela Blaes
): “ Mein Tod ist gewiss...”
Ferdinand: “Nichts. Nichts. Es ist überstanden. Ich hab dich ja wieder. O lass mich

Atem schöpfen an dieser Brust. Es war eine schreck- liche Stunde, eine Stunde, Luise, wo zwischen mein Herz und dich ein fremde Gestalt sich warf - wo meine Liebe vor meinem Gewissen erblasste - wo meine Luise aufhörte, ihrem Ferdinand alles zu sein.”

Ferdinand (Eric Sasse) : “Nein. Nimmermehr! Unmöglich, Lady! Zuviel verlangt!
      Ich kann dir diese Unschuld nicht opfern...
(zu Luise) Du hast gewonnen.
      Als Sieger komm ich aus dem gefährlichsten Kampf zurück.”
Luise (Angela Blaes
): “Nun - was erschreck ich denn? Du hast mir’s ja oft gesagt.
      Vater, hier ist deine Tochter wieder - Verzeihung - Dein Kind kann ja nicht da-
      für, dass dieser Traum so schön war, und - so fürchterlich jetzt das Erwachen -”

Mutter Millerin (Sarah Merabet):
    ”Der Präsident wird
      hierher kommen -
      Er wird unser Kind
      misshandeln -
      Er wird uns miss-
      handeln - Herr von
      Walter, und Sie
      verlassen uns?”

Miller (Heinrich Schulz):
     “Verlässt uns! Freilich!
      Sie gab ihm ja alles
      hin!”

Fotos: Tobias Reinmuth

Präsident von Walter (Nicholas Wood 2.v.links), Luise verhörend:
   “Wie lang kennt sie den
     Sohn des Präsidenten?
Luise (Angela Blaes
2.v.links ):
   “Ferdinand von Walter
     besucht mich seit dem
     November.”
Ferdinand (Eric Sasse
3.v.links )
    “
Betet sie an!”
Präsident:
    “Erhielt sie Versicherungen?”
Luise:
    “Er schwur mir Liebe.”
Ferdinand:
    “Und wird sie halten.”
Präsident:
    ”Muss ich befehlen, dass du
      schweigst? - Nahm sie den
      Schwur an?”
Luise
(zärtlich) :
     “Ich erwiderte ihn.”
Ferdinand:
     “Der Bund ist geschlossen.”
Präsident:
     “Ich werde das Echo hinaus-

   werfen lassen. (Boshaft zu Luisen) . Aber er bezahlte sie doch jederzeit in bar... Ich meine nur - Jedes Handwerk hat doch
   goldenen Boden, auch Sie, wird ihre Gunst nicht verschenkt haben - oder war’s Ihr mit dem bloßen Verschluss gedient? Wie?
Ferdinand
(fährt rasend auf):    “Hölle! was war das?
Luise
(zu Ferdin. mit Würde):    “Herr von Walter, jetzt sind sie frei.”
Ferdinand
(ganz außer sich) :    “Vater! Ehrfurcht befiehlt die Tugend auch im Bettlerkleid.”
Präsident
(lacht lauter) :            “Eine lustige Zumutung! der Vater soll die Hure des Sohns respektieren.”
Luise
(stürzt nieder) :                  “O Himmel und Erde!  - - 
Ferdinand
(zur Waffe greifend) : “Der Schuldbrief der kindlichen Pflicht liegt zerrissen da - ”                    
Fotos: Thorsten Keesser

Miller (Heinrich Schulz Mitte):
    “Euer Exzellenz - Das
    Kind ist des Vaters Arbeit
   -Halten zu Gnaden - Wer
    das Kind eine Hure schilt,
    schlägt den Vater ans Ohr,
    und Ohrfeig um Ohrfeig -
    Das ist so Tax bei uns -
    Halten zu Gnaden.”
Präsident:
   “Regt sich der Kuppler
    auch? Wir sprechen uns
    gleich, Kuppler...”
Miller:
    “...Teutsch und verständlich.
    Halten zu Gnaden. Euer
    Exzellenz schalten und
    walten im Land. D a s  ist
    meine Stube. Mein devotes-
    tes Kompliment, wenn ich
    einmal um etwas zu bitten

    habe, aber den ungehobelten Gast werfe ich zur Tür hinaus - Halten zu Gnaden..“    --    Präsident: “Was ist d a s ?”
Miller: “Das war nur so meine Meinung, Herr - Halten zu Gnaden.” --  Präsident: “Ha, Spitzbube! Ins Zuchthaus bringt    

       dich deine vermessene Meinung -
       Fort! Vater ins Zuchthaus -
       an den Pranger Mutter und
       Metze von Tochter...”

Ferdinand:
      “Wagt es sie anzurühren...
       Treiben Sie mich nicht weiter,
       mein Vater... Tod und Teufel!
       Ich sage: Zurück - Noch einmal:
       Treiben Sie mich nicht aufs
        Äußerste, Vater.”

Fotos: Thorsten Keesser

Ferdinand: “Vater! ich werfe meinen Offiziersdegen hin und opfer ihn dem Mädchen -
       Bestehen sie noch darauf?... Vater! Eh Sie meine Gemahlin beschimpfen, durchstoß ich
       sie - Bestehen Sie noch darauf?... Ihr führt sie zum Pranger fort, unterdessen erzähl ich
       der Residenz eine Geschichte, w i e  man Präsident wird...”

Schiller/Kabale

Rollen

Die Utopie

Die Bedrohung

Die Intrige

Lady Milford

Der Brief

Der Verrat

Die Farce

Das Scheitern

Der Tod

Inhalt

Autor

Dramaturgie

Presse