Kabale und Liebe
- Lady Milford -

Lady Milford (Johanna Dormann) ödet das in Etikette und sozialer Kälte erstarrte, verdorbene Leben am Hof an:
zur Kammerjungfer Sophie
     ”Was fang ich mit Leuten an,
       deren Seelen sogleich als
       ihre Uhren gehen?”

Die Lady (Johanna Dormann) sieht in einer Beziehung zu Ferdinand die Möglichkeit, endlich ihre Gefühle ehrlich auszuleben, dem Hofleben zu entfliehen, ihr Dasein als Mätres- se des Fürsten hinter sich zu lassen. Sie äußert sich gegenüber Sophie (Sarah Schlimmer) zuversichtlich:

”Es ist wahr, liebe Sophie - ich habe dem Fürsten meine Ehre verkauft,aber mein Herz habe ich frei behalten...
Gib mir den Mann, den ich jetzt denke - den ich anbete - sterben oder besitzen muss. Lass mich aus deinem Mund es vernehmen, dass Tränen der Liebe schöner glänzen in unseren Augen, als die Brillanten in unserem Haar und ich werfe dem Fürsten sein Herz und sein Herzogtum vor die Füße, fliehe mit diesem Mann in die entlegenste Wüste der Welt. Die Verbindung mit dem Major - Du und die Welt stehen im Wahn, es sei eine Hofkabale - Sophie - sie ist das Werk - meiner Liebe.”

Ferdinand (Eric Sasse):
        ”Ich bin bereit meine Ehre mit Füßen zu treten,
          sobald Sie mich überzeugt haben werden,
          dass der Preis nicht schlimmer noch als mein
          Opfer ist.”
Lady (Johanna Dormann):
         ”Herr Major! Das habe ich nicht verdient.”

Ferdinand (Eric Sasse):
       “Ich komme auf Befehl meines
        Vaters. Und soll Ihnen melden,
        dass wir uns heiraten - So weit
        der Auftrag meines Vaters.
Lady (Johanna Dormann) :
        ”Nicht Ihres eigenen Herzens?”

Luise Millerin und Lady Milford

Luise Millerin tritt schüchtern ein, und bleibt in einer großen Entfernung von der Lady stehen.
Lady hat ihr den Rücken  zugewandt, und betrachtet sie eine Zeitlang aufmerksam in dem gegenüberstehenden Spiegel:
    
“Aha! Ist Sie hier? - Ohne Zweifel
       die Mamsell - eine gewisse - Wie
       nennt man Sie doch?”

Lady:
        “Dass Sie meine Hand verwerfen,
          darum schätz ich Sie. Dass Sie
          mein Herz lästern, vergebe ich
          Ihnen. Dass es Ihr Ernst ist,
          glaube ich Ihnen nicht. Wer sich
          herausnimmt, Beleidigungen
          dieser Art einer Dame zu sagen,
          die nicht mehr als eine Nacht
          braucht, ihn ganz zu verderben,
          muss dieser Dame eine große
          Seele zutrauen, oder - von
          Sinnen sein...
          Ich bin nicht die Abenteurerin,
          Walter, für die sie mich halten...”

Lady (Johanna Dormann):
       “Nur ganz nah - Gutes Kind, ich
         glaub, du fürchtest mich?”
Luise (Angela Blaes)
groß, mit entschiedenem Ton :
        “Nein, Mylady. Ich verachte das Urteil der Menge.
Lady:
        ”Sieh doch - und diesen Trotzkopf hat sie von ihm...
          Meine Sophie heiratet. Du sollst ihre Stelle haben - “
Luise:
         “Ich danke für diese Gnade, Mylady, als wenn ich
           sie annehmen dürfte.
Lady:
         “Man sehe die große Dame! Sonst wissen sich
          Jungfern Ihrer Herkunft noch glücklich, wenn sie
          Herrschaften finden. Wo will sie denn hinaus, meine
          Kostbare? Sind diese Finger zur Arbeit zu niedlich?
          Ist es ihr bisschen Gesicht, worauf sie so trotzig tut?”
Luise:
         ”Mein Gesicht gehört mir so wenig, als meine Herkunft.”
Lady:
        “Wenn es nicht die Vorzüge Ihrer Gestalt sind, was in
         der Welt könnte Sie abhalten, einen Stand zu erwählen,
         der der einzige ist, wo Sie Manieren und Welt lernen
         kann, der Einzige ist, wo Sie sich Ihrer bürgerlichen
         Vorurteile entledigen kann?”

Luise: ”Auch meiner bürgerlichen Unschuld, Mylady? Die Paläste gewisser Damen sind oft die
            Freistätten der frechsten Ergötzlichkeit. Wer sollte der Tochter des armen Geigers den
            Heldenmut zutrauen, mitten in die Pest sich zu werfen?... Würde Sie mein Anblick ergötzen,

        wenn Sie einem Vergnügen entgegengingen? -
        Sie lassen Meere zwischen uns fließen... Welche
        Folter für Sie, im Gesicht Ihres Dienstmädchens
        die heítere Ruhe zu lesen, womit die Unschuld
        ein reines Herz zu belohnen pflegt. Ich bitte sehr
        um Vergebung.”
Lady:
        ”Unerträglich, dass sie mir das sagt!
          Unerträglich, dass sie Recht hat!”
Luise:
       “Ich fürchte Ihre Rache nicht, Lady!
         Mein Elend ist so hoch gestiegen, dass selbst
         Aufrichtigkeit es nicht mehr vergrössern kann.
         Sie wollen mich aus dem Staub meiner Herkunft
         reißen. Ich will sie nicht zergliedern, diese
         verdächtige Gnade. Ich will nur fragen, was
         Mylady bewegen konnte, mich für die Törin zu
         halten, die über ihre Herkunft errötet? -
         Was sie berechtigen konnte, sich zur Schöpferin
         meines Glücks aufzuwerfen?
         Wie kommt es, Mylady, dass Ihr gepriesenes Glück
         das Elend so gern um Neid und Bewunderung
         anbettelt?- Hat Ihre Wonne die Verzweiflung so
         nötig als Folie?...
         Und wenn ich als meine Mutter Sie fragte - würden
         Sie mir wohl zu dem Tausche raten?
Lady:
        “Unerhört!”

“...Dein sei alles, aber entsag ihm!”
Lady Milford (Johanna Dormann) verzweifelt

Luise:
        “Vielleicht wissen Sie es selbst nicht,
         Mylady, aber Sie haben den Himmel
         zweier Liebender geschleift...Nehmen
         Sie ihn hin! Rennen Sie in seine Arme!
         Reißen Sie ihn zum Altar - Nur vergessen
         Sie nicht, dass zwischen Ihren Brautkuss
         das Gespenst einer Selbstmörderin
         stürzen wird.”

Lady:
        ”Wie war das? Was sprach die
         Unglückliche? noch zerreißen
         sie mein Ohr die fürchterlichen
         mich verdammenden Worte:
         Nehmen sie ihn hin! Wen,
         Unglückselige? Das Geschenk
         deines Sterberöchelns - das
         schauerhafte Vermächtnis
        deiner Verzweiflung! Gott! Gott!”

Schiller/Kabale

Rollen

Die Utopie

Die Bedrohung

Die Intrige

Lady Milford

Der Brief

Der Verrat

Die Farce

Das Scheitern

Der Tod

Inhalt

Autor

Dramaturgie

Presse