Kabale und Liebe
- Das Scheitern -

Luise: “Er kennt ihn nicht, Vater, sonderbar! Der Ort ist zum Finden gemalt, Ferdinand wird
             ihn finden. Der dritte Ort ist das  G r a b.”
Miller: “Was hast du vor,meine Tochter? Du willst eigenmächtig Hand an dich legen?”
Luise:  “Eine Gesellschaft räumen, wo ich nicht wohl gelitten bin - An einen Ort voraus-
             springen, den ich nicht länger missen kann - Ist das denn Sünde?”

Miller: “Selbstmord ist die abscheu-
             lichste, mein Kind... Wenn
             du Gott liebst, wirst du nie bis
             zum Frevel lieben... Hier ist
             ein Messer - durchstich dein
             Herz, und
(indem er laut weinend
                  fortstürzrn will)
das Vaterherz!”
Luise:   “Halt, mein Vater! - Dass
             Zärtlichkeit noch barbarischer
             zwingt als Tyrannenwut! -
             Was soll ich? Ich kann nicht!
             Was muss ich tun?...
             Vater! Hier ist meine Hand!
             ich will - Gott! Gott! was tu
             ich? was will ich? - Vater, ich
             schwöre - Wehe mir, wehe!
             Verbrecherin, wohin ich mich
             neige! - Vater, es sei!...”
Miller:  “Das ist meine Tochter - Blick
             auf! Um einen Liebhaber bist
             du leichter, dafür hast du
             einen glücklichen Vater
             gemacht.”

Miller (Heinrich Schulz):
   “Bist du da, mein Kind?
     Aber warum denn so
     einsam und ohne
     Licht?”
Luise (Angela BLaes):
    “Ich bin darum doch
     nicht einsam. Wenn’s
     so recht schwarz wird
     um mich herum, hab
     ich meine besten
     Besuche... Mit einem
     Eid gedachte der
     Tyrann seinen Betrug
     zu versiegeln? Eide,
     Vater, binden wohl
     die Lebendigen, im
     Tode schmilzt auch
     der Sakramente eiser-
     nes Band. Ferdinand
     wird seine Luise
     kennen...
Miller:
    “Und dieser dritte Ort,
     meine Tochter?”

Miller: ”Gehen Sie, Baron - wenn noch ein Funke von Menschlichkeit in Ihrem Herzen zurückblieb -
             Wenn Sie die nicht erwürgen wollen, die Sie zu lieben vorgeben...”
Ferd.:  ”Ich bin jetzt da, mein gegebenes Wort einzulösen und meine Braut zum Altar zu holen.”
Miller:  ”Hörst du ihn, meine Tochter? Hörst du ihn sein Gespötte mit deinen enttäuschten Hoffnungen treiben?”

Ferd.: ”Du glaubst, ich scherze. Meine Aussage ist
            wahr, wie die Liebe meiner Luise... Noch kein
            freudiges Erröten... auf den Wangen meiner
            schönen Gemahlin? Ihr misstraut meinen Wor-
            ten? So glaubt diesem schriftlichen Zeugnis.”
           
(Er wirft Luise den Brief an den Marschall zu.)

Luise (schlägt den Brief auf, und sinkt leichenblass nieder)
Miller:“Ich verstehe nicht...”
Ferd.: “Desto besser hat mich diese verstanden...
            Bleich wie der Tod! - Jetzt erst gefällt sie mir!
            So schön war sie nie, die fromme, recht-
            schaffne Tochter! Es ist ihr erstes wahres
            Gesicht!... Sprich, Unglückselige, schriebst
            du diesen Brief?”

Ferdinand: ”Wusstest du, dass du mir  a l l e s  warst! Alles! - Es ist ein armes verächtliches Wort, aber die Ewig-
             hat Mühe, es zu umwandern, Weltsysteme vollenden ihre Bahnen darin - Alles! Und so frevelhaft damit
            zu spielen - o es ist schrecklich - ”
Luise: “Sie haben mein Geständnis, Herr von Walter Ich habe mich selbst verdammt. Gehen Sie nun...!”          

Ferdinand: “Dein Beispiel bekehrt mich - Du sollst meine Lehrerin sein. Toren sind’s, die von ewiger
             Liebe schwatzen, Veränderung nur ist das Salz des Vergnügens - Topp, Luise! Ich bin dabei -
             Wir hüpfen von Roman zu Romane, wälzen uns von Schlamme zu Schlamm...”

Ferdinand: “In meiner Verachtung wärest du fast
       meiner Rache entsprungen
(Indem er hastig das
         Glas mit der vergifteten Limonade ergreift)
Also leicht-
       sinnig warst du nicht - du warst nur der Teufel.
      
(Er trinkt.) Die Limonade ist matt - wie deine
       Seele - Versuche!”

Luise (nimmt das Glas etwas unwillig und
             trinkt)
Ferdinand (wendet sich, sobald sie das
            Glas an den Mund setzt, mit einer
            plötzlichen Erblassung weg, und
            eilt nach dem hintersten Winkel
           des Zimmers)...
         
”Fort! Fort! Diese sanften
        schmelzenden Augen weg!
        Nur jetzt keine Engel mehr -
        es ist zu spät.”
Luise: “Dass es soweit kommen
        musste!”
Ferdinand: “Dieses schöne Werk
        des himmlischen Bildners -
        Wer kann das glauben? Und
        die süße melodische Simme?
        Wie kann so viel Wohlklang
        kommen aus zerrissenen
        Saiten? Alles so schön - so voll
        Ebenmaß - so vollkommen -
        nur in der Seele sollte sich
        Gott vergriffen haben?

        Noch einmal, wie am Tag unseres ersten Kusses, als du Ferdinand stammeltest und das erste Du auf deine
        brenende Lippen trat. Da lag die Ewigkeit wie ein schöner Maitag vor unseren Augen...Luise! Luise! Warum
        hast du mir das getan?
Luise: “Treiben Sie mich nicht aufs Äußerste, Walter. Ich habe Seelenstärke, Walter... Ein entsetzliches Schicksal
        hat die Sprache unserer Herzen verwirrt...”
Ferdinand: “Luise hast du den Marschall geliebt?... Du wirst nicht mehr aus diesem Zimmer gehen...”

Schiller/Kabale

Rollen

Die Utopie

Die Bedrohung

Die Intrige

Lady Milford

Der Brief

Der Verrat

Die Farce

Das Scheitern

Der Tod

Inhalt

Autor

Dramaturgie

Presse

Luise (Angela Blaes) und Ferdinand (Eric Sasse) auf dem ‚Boden der Tatsachen‘ - in ihrem Ideal grenzenloser Liebe an der gesellschaftlichen Realität gescheitert.