Siebtens: Stiehl ein bisschen weniger!
- Die Presse -

Dario Fo/ Siebtens

Die Rollen

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Presse

                                                                                   DIE RHEINPFALZ , Mittwoch, den 06. April 2011

Erfahrung im Medium des Spiels

„25. Schultheaterwoche” im Karlsruher „Sandkorn” auch mit pfälzischer Beteiligung

Die „Schultheaterwoche” im Karlsruher „Sandkorn-Theater” hat sich als theaterpädagogisch wichtige Einrichtung etabliert, bei der Gruppen aus unterschiedlichsten Schultypen ihre in einschlägigen AGs geschaffenen Aufführungen zeigen können. Diesmal sind auch zwei Teilnehmer aus der Südpfalz und sogar eine Gruppe aus dem Elsass (Weißenburg) dabei.

Von seinen Anfängen 1987 bis heute stand bei dem Treffen der Gedanke im Vordergrund, dass die Schülerinnen und Schüler aller Alters- und Bildungsstufen im Theaterspiel hilfreiche psychologische Erkenntnisse und Erfahrungen sammeln, die der Entfaltung ihrer Persönlichkeit wirkmächtige Impulse verleihen und sie fit machen können für ihren weiteren Weg. Der Gründer und langjährige Leiter der „Schultheaterwochen”, Siegfried Kreiner, hob denn auch bei der Ankündigung des neuen Aufführungsreigens im Jubiläumsjahr 2011 mit besonderem Nachdruck die lebenspraktische Bedeutung des Schulspiels hervor.

Vom 12. bis 20. April treten 21 Gruppen an. Den Auftakt macht am 12. April um 15 Uhr ein knalliger „Countdown” im Informationspavillon „K” am Ettlinger Tor, und nach der offiziellen Eröffnung im Fabriktheater (17 Uhr) geht es am selben Abend mit einem Dario Fo-Stück („Siebtens: Stiehl ein bisschen weniger”) weiter, das eine Gruppe aus Bad Bergzabern vom Alfred-Grosser-Gymnasium spielen wird. Aus der Pfalz kommt auch das Herxheimer Pamina-Gymnasium, das am 13. April (12 Uhr) eine Eigenproduktion um die berühmt-berüchtigte Königin Eleonore von Aquitanien („Das geheimnisvolle Wasser”) vorstellt. Und aus Weißenburg reist ein Ensemble vom Lycée Stanislas an, das um 15 Uhr in französischer Sprache eine selbst collagierte Szenenfolge „Les Clowns Célestes” (Die himmlischen Clowns”) präsentiert.

Die bunte Fülle und Vielfalt des Angebots wird durch Workshops ergänzt, und im Anschluss an jede Aufführung findet überdies eine vertiefende Diskussion unter Mitwirkung des einschlägig kompetenten „Feedback-Teams” von Pädagogen und Theaterleuten statt. (rkr)

Die Wahl des Stücks der Bad Bergzaberner Gruppe verrät Geschmack wie Mut zum Risiko: Ersteres, weil Fo, einer der geistreichsten Realsatiriker des europäischen Nachkriegstheaters, mit „Siebtens: Stiehl ein bisschen weniger” eine brillante Komödie mit (leider) zeitlosem Wahrheitsgehalt geschaffen hat. Risikobewusstsein, weil das Stück mit Nähe zur Commedia dell'arte - worauf der Regisseur Berthold Blaes im Begleittext zutreffend verweist - Aktionsfreude und Sprachgewandtheit der Akteure, Ökonomie und Tempo der szenischen Umsetzung verlangt. Lichttechnik und akustische Effekte, das pfiffige, multifunktionale Bühnenbild und die Kostümwerkstatt steht professionellen Vergleichen in nichts nach. Die Truppe agiert perfekt in allen Interaktionen und sprachlich prägnant und natürlich in Gestik und Agogik. Blaes hat ein gutes Händchen für Personenführung. Wortspiele, Pointen perlten nur so, die Aktionen auf der Bühne lösten einander slapstickartig ab. Das Stück - die Parabel auf Machtherrlichkeit, Korruption, und Verderbtheit der Machthabenden, schließlich die Emanzipation des Einzelnen in solchem Gemenge -, bietet hier eine Fülle wunderbar sinnlicher Einfälle.

Dazu zählt die elegant höfisch anmutende Choreographie der „Irren” zur Klängen Händelscher Opernmusik, dazu zählt auch der bestechende Rap-Monolog des „Geschäftsmanns” oder die umwerfend komischen Interaktionen des rollstuhlbewaffneten „Verrückten Professors”. (gp)

 

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