Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui
- Dramaturgie -

Entstehung

Histor. Kontext

Literar. Kontext

Interpretation

Nazikarrikatur, 1931 in der “Brennessel”

 B.B. Der Nachgeborene

 Ich gestehe es: ich
 Habe keine Hoffnung.
 Die Blinden reden von einem Ausweg. Ich
 Sehe.

 Wenn die Irrtümer verbraucht sind
 Sitzt als letzter Gesellschafter
 Uns das Nichts gegenüber.

Ich kannte Brecht nicht persönlich, kannte aber seine literarischen Experimente auf der Bühne und schätzte seine Gedichte. Sein langes Gesicht hatte oft den asketischen Ausdruck eines Mönches, manchmal die Durchtriebenheit eines Galgenvogels.

Er hatte dunkle stechende Augen, die gierig und hungrig alles, was sich ihnen anbot, aufsaugten. Er war dürr. Seine ungepflegte proletarische Aufmachung mit Mütze, Joppe und nacktem Hals habe ich immer für eine Brechtsche "Verfremdung" gehalten...

Das Sichtbarwerden der Entfremdung in der Verfremdung:
Helmut Jendreiek, 1969

Durch die gestische Darstellungsweise des
epischen Dramas verlieren Verhaltensweisen und Handlungsvorgänge das Zeichen des Notwendigen und Unabänderlichen, Katastrophen werden "kritisierbar".

Ist Brecht wirklich tot, wie Hellmuth Karasek vor langer Zeit im Spiegel (27.2.78) schrieb?
Und hat der Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus ihm endgültig einen Platz im Theatermuseum zugewiesen?

Die frühen Stücke Brechts sind Zustandsbeschreibungen der Zwanziger Jahre und haben heute, in einer Epoche neuer gesellschaftlicher Verwerfungen, der sogenannten Globalisierung, doch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Es gilt, sie nur wiederzuentdecken!

Brechts “Arturo Ui” ist, was die Vermengung von Kapital und Politik anbetrifft, aktueller, als es je zu Brechts Zeiten war. Ergänzend schafft natürlich auch die harsche Globalisierung auf (welt-) politischer und wirtschaftlicher Bühne Raum für neue Uis - getreu nach dessen Motto: “Wer nicht für mich ist, ist gegen mich...”   Was steht da wohl am Ende? -
Ein Unterschied zu Brechts Sichtweise wird deutlich: Die großen Vereinfacher von heute bedürfen kaum mehr physischer Gewalt, um die Reihen zu schließen, sondern können sich der allgemeinen unkritischen Zustimmung sicher sein. (Eine zeitgemäße Inszenierung hätte also den von Brecht gewählten Schluss dementsprechend zu verändern...!)

Wie, wenn jene Zustände der Anarchie sich heute 
im globalen Rahmen wiederholten?

Wie, wenn die Protagonisten heute nicht mehr jene politischen Verbrecher wären (oder gibt es sie wieder?),
deren ideologische Verblendung, deren  militaristischer Rassismus leicht auszumachen sind,
sondern Figuren, “global players”, die mit anderen, uns gewohnt und milder erscheinenenden Mitteln doch tabula rasa à la Arturo Ui machten?

Der junge Brecht lebt vom Widerspruch gegen die bürgerliche Gesellschaft und die vorherrschenden Ausdrucksformen in Kunst und Literatur. Gegen das idealistische  O-Mensch-Pathos der Expressionisten - das den neuen Menschen und den Geist herbeisehnt - setzt er die Kälte des ins Leben verliebten Materialisten,  gegen  das  Ethos des Geistes und die ekstatische Sprache des Expressionismus elementare Kreatürlichkeit, lustvolle Vitalität und die Sprachmelodien der Lutherbibel. Ideali- sierungen des Menschen beantwortet der konservative Anarchist, indem er den Menschen wie Wedekind als das schöne, große, wilde Tier zeigt.

Entstehung

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Literar. Kontext

Interpretation

Brecht / Ui

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