Aristophanes: Die Vögel
- Zum Inhalt -

Zwei Athener mit dem Namen Euelpides und Pistethairos sind der in ihrer Heimat grassierenden Gerichtswut überdrüssig und verlassen Athen, um bei den Vögeln, im Raum zwischen Himmel und Erde, endlich einen ruhigen Ort ohne Hektik und Betriebsamkeit zu finden. Bei den Vögeln angelangt, erkennt Pistethairos die strategisch hervorragende Lage, die der Luftraum zwischen Himmel und Erde sowohl für die Beherrschung der Götter als auch der Menschen hat, und überzeugt zunächst den Vogelkönig Tereus und mit dessen Hilfe die noch skeptische Vogelschar davon, ein Vogelimperium zu errichten. Götter wie Menschen huldigen dem neuen Herrscher, werden jedoch schnöde aus seinem Reich verbannt. Das das Vogelreich den Durchzug des opferdampfes von der Erde zu den Göttern blockiert, entsenden die ausgehungerten Olympier eine Bittgesandtschaft, ein komisch verzerrtes Abbild der athenischen Gesellschaft: Poseidon erscheint in Begleitung des proletarischen herakles und eines barbarischen Fremdlings, eines Triballers. Pistethairos ist allerdings schon durch den Menschenfreund Prometheus gewarnt und fordert von Zeus, dass er ihm das Zepter, die Insignie der Macht, und Basileia, die Königin, zur Frau gebe. Gegen den Widerstand Poseidons stimmen Herakles und der Triballer, ihrem hungrigen Magen gehorchend, den Forderungen des komischen Helden zu. Das Stück endet mit der triumphalen Hochzeit des neuen Weltherrschers Pistethairos mit Basileia, und die Vögel umjubeln den zweiten Zeus und seine Gemahlin.

„Die Griechen hoben die Komödie erfunden“, sagt der große Kenner des griechischen Theaters Siegfried Melchinger. Neben den großen Tragödien mit anschließendem Satyrspiel entstand sukzessive die Gattung der Komödie. Sie war aber von Anbeginn kritisch, entlarvend, aufklärerisch, bissig, scharf und unverschämt und nahm die gesellschaftlichen Zustände in den spöttischen Blick. Komödie ist immer auch Gesellschaftskritik im besten Sinne: Volkstheater. Die attische Komödie stellt mit ihrer zubeißenden Unverschämtheit jede TV-Satire und jedweden Karnevalsumzug weit in den Schatten. Komödie in der griechischen Antike ist: Tabubruch. Mit unvergleichlicher. Schärfe wurden gesellschaftliche Probleme und einzelne, öffentlich handelnde Personen -_olso Politiker – ins Visier genommen und dem Gelächter ausgeliefert. Wir heutige Zuschauer einer solchen Komödie können das allenfalls erahnen.

„Die Vögel“, 414 v.u.Z. uraufgeführt und geschrieben von dem knapp dreißig Johre olten Aristophanes, ist ein Klassiker des Genres. Der konkrete Anlass war die katastrophale lnvosion Sitiliens aus dem Johre 415 v.u.Z. Als ,,Hintergrundrauschen" ist im Text die Verkommenheit der griechischen Demokratie zu erahnen: die Korruption, die eklatante soziale Schere zwischen arm und reich, Vetternwirtschaft, politische Intrigen, Denunziation, ein völlig zerrüttetes Rechtssystem. Die Erfahrung, dass Geld die Weit regiert, war eine der grundlegenden Erkenntnisse jedes im Griechenland des 5. Jhds v.u.Z. lebenden Menschen, egal ob privilegierter Bürger oder unfreier Sklave. Wer Geld hat, hat Macht und wer Macht hat, hat Recht.

Die Komödie “Die Vögel“ ist einem angesichts der herrschenden Verhältnisse tief empfundenen Ekel geschuldet. Und gleichzeitig gelingt diesem großartigen Dichter etwas unerhört Neues: die Utopie eines herrschaftsfreien Raums; die Fantasie einer Gesellschaft der Freien und Gleichen. Es ist eine der bittersten Erfahrungen im Umgang mit diesem Text, wie Aristophones, der scharfe und unbestechliche Menschenbeobochter und -freund, die gesellschaftspolitische Utopie einer wahrhaftigen Demokratie in den in den hellsten Mozart’schen Dur-Tönen aufscheinen lässt, um sie dann sofort mit dem musikalischen hellsten Mozort'schen Dur-Tönen aufscheinen lässt, um sie dann sofort mit dem musikalischen Moll der Erfahrung von Korrumpierborkeit durch die reale politische Macht zu konterkarieren. im revolutionären Widerstand erscheint die neue Tyrannei -- bei Aristophanes in Gestalt der Hochzeit vonPisthetairos und Basileio sogar in Form einer Weltherrschaft. Kein noch so heiteres Finale kann gegen diesen bitteren gesellschaftspolitischen Pessimismus triumphieren…,,Die Vögel" von Aristophanes aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert beschreibt liebevoll, ironisch und mit Melancholie einen wahnwitzigen, mitunter on die Marx-Brothers erinnernden Versuch, dem empfundenen Ekel über eine verlotterte Gesellschaft in ein Wolkenkuckucksheim zu entkommen. Dass dos scheitern muss, ist klar. Der von Aristophanes gezeichnete Versuch allerdings ist zutiefst menschlich und dos märchenhafte Motiv der Suche nach einer besseren Welt außerhalb der unsrigen ist uns ja auch heute nicht unbekannt…

Bernhard Zimmermann

Aristophanes / Die Vögel

Die Rollen

Pethetairos & Euelpides

Wiedehopf

Vogelbestien

Plan zur Macht

Schmarotzer

Das Finale

Der Inhalt

 Der Autor

Dramaturgie

Die Presse