Aristophanes: Die Vögel
- Die Presse -

Der Südpfalzkurier, 14. März 2012

Aristophanes „Die Vögel“ im Gymnasium Bad Bergzabern

Großartig - virtuos

Man nenne mir einen professionellen Regisseur, der unter vergleichbaren Bedingungen – ehrenamtlich (also neben den Dienstpflichten), ohne nennenswertes Budget und mit Laiendarstellern – über einen Zeitraum von mehr als einem Vierteljahrhundert Theater-Inszenierungen auf unangefochten hohem Niveau und von ähnlich nachhaltiger Wirkung vorweisen könnte. Dabei ist Bertold Blaes, Deutschlehrer am Bergzaberner Gymnasium, natürlich gar kein „professioneller“. Dennoch ist man geneigt, in diesem Zusammenhang ruhig mal Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Mit zwei Aufführungen von Aristophanes Komödie „Die Vögel“ hat die Theater-AG des Gymnasiums am Alfred-Grosser-Schulzentrum unter seiner Leitung erneut ihre hohe Reputation bestätigt.

Und es ist fürwahr kein leichter Stoff, den Blaes seinen knapp 20 Akteuren vor und hinter der Bühne diesmal zumutete. Aristophanes ausschweifende Rhetorik – die kunstvoll epischen Satzgebilde ebenso wie die wortwitzig verschlüsselten Pointen -, dazu die mannigfaltigen Anspielungen auf das Personal der griechischen Mythologie (wer hat das schon noch parat?) zählen nicht eben zum leicht Goutierbaren.

Indes: Blaes Protagonisten deklamierten sämtlich vorzüglich, klar und prägnant, ohne Überzeichnung und mit dezidierter Akzentuierung des reichlich verfügbaren Potentials an bissiger Satire auf die real existierenden Machtverhältnisses. Die Wirkung blieb nicht aus, es durfte viel und herzhaft gelacht werden.

Auf ein Bühnenbild im klassischen Sinne wurde weitgehend verzichtet: Stellwände zur Seite und unterschiedliche Horizontal-Ebenen, alles in einheitlichem Schwarz, genügten als Tummelplatz für das ebenfalls schwarz gewandete und signifikant gefiederte Vogelvolk, dass sich indes derart temporeich und fantasievoll, mit solch (im wahrsten Sinne) beflügelter Agogik durch die fünf Akte wirbelte, dass Aktion und Spannung niemals zum Erliegen kamen.

Großartig die „Chor“-Szenen der Vogelschar, die - dezidiert und zwingend in der sprachlichen Artikulation, aber auch brillant choreographiert – von großartiger Wirkung waren. Musik – als atmosphärische Ingredienz geschmackvoll und punktgenau gewählt - spielte wie bei vielen vorangegangen Inszenierungen von Berthold Blaes eine tragende Rolle.

Aus der in der Gesamtheit ausnahmslos überzeugend agierenden Truppe seien stellvertretend genannt der großartig, virtuos und sehr differenziert aufspielende Akin Kapucu in der Hauptrolle des Peithetairos und Sarah Bissinger als sein liebenswert einfältiger Gefährte Euelpides; perfekt schließlich auch die vielbeschäftigte Licht- und Tontechnik im Hintergrund (Lukas Sitt, Adrian Schulte).

Mit welcher Begeisterung und Überzeugungskraft die Truppe der Generation „Computer und Facebook“ diesen altgriechischen Dramatiker auferstehen ließ, ging direkt unter die Haut, teilte sich unmittelbar physisch mit. Was die jungen Leute aus diesem großartigen Angebot ihrer Schule und dem unverwüstlichen Engagement eines einzelnen herausragenden Pädagogen mit in ihr späteres Leben nehmen, darüber kann nur spekuliert werden. Aber man ist geneigt, sie zu beglückwünschen.

                                                                                                                                                                        Gertie Pohlit

 

Die Rheinpfalz, 14. März 2012

Aristophanes / Die Vögel

Die Rollen

Pethetairos & Euelpides

Wiedehopf

Vogelbestien

Plan zur Macht

Schmarotzer

Das Finale

Der Inhalt

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Dramaturgie

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