Weiss: Marat / Sade
- Dramaturgie/Deutung -

Weisss / Marat-Sade

Die Rollen

Ausrufer

Marat

de Sade

Corday

Duperret

Coulmier

Roux

Internierte

Der Inhalt

Der Autor

Dramaturgie

Die Presse

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Zur Deutung

Kleine Fabel

”Ach, sagte die Maus, die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe. - Du musst nur die Laufrichtung ändern, sagte die Katze und fraß sie.”
                                                                                                                   
   Franz Kafka, 1920

Frankreich 1808.
Wenige Jahre nach der Revolution ist das Land eine Militärdiktatur geworden, beherrscht von einem selbsternannten Kaiser: Napoleon.

Innerhalb der Mauern der Irrenanstalt von Charenton spielen die Insassen, Geisteskranke und politisch Verfolgte, die Revolution noch einmal nach: Marat, führender Kopf der französischen Revolution, im Bad von einer Adeligen, Charlotte Corday,  ermordet, ersteht wieder auf und vertritt die Ideale von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Sein  Widersacher der Marquis de Sade, selbst einmal Revolutionär, jetzt Insasse der Irrenanstalt, ist zum Zyniker geworden. Er predigt einen exzessiven Individualismus, Lust, Grausamkeit, sexuelle Ausschweifung: Emotionalität statt Versklavung an eine abstrakte Idee und als deren Folge automatisiertes Töten.

Das Volk, um das es geht, wird von Geisteskranken dargestellt.

P eter Weiss  Drama ist geschichtsphilosophische Reflexion über Sozialismus und Liberalismus und wahnsinniges Theaterspektakel zugleich - und über ein halbes Jahrhundert  nach der Uraufführung hochaktuell. Schonungslos prangert Weiss den ausufernden Liberalismus und Kapitalismus an, der sich heute ganzer Völker und Staaten bemächtigt hat: Gier, Bereicherung auf Kosten anderer, Wachstumsideologie haben Humanität und soziale Gerechtigkeit verdrängt, unser Gesellschaftssystem ist in eine existentielle Krise geraten.

Hat der Marquis de Sade also Recht, wenn er zynisch behauptet, dass die Ideale der Revolution stets in ihr Gegenteil umschlagen?
Ist Marat im Irrtum, wenn er an das Gute im Menschen glaubt?

In Peter Weiss` Stück wird dieses Duell   - im Irrenhaus – ausgetragen.

Für den Zuschauer stellt sich die Frage: Soll man das Ringen um freiheitliche Ideale aufgeben, weil es ja doch in Unterdrückung, Gleichschaltung und Blutvergießen endet? Lohnt es sich nicht – wie Marat – an das Gute im Menschen zu glauben?

Peter Weiss, der Autor dieses moralischen Diskurses gilt als bedeutender politisch engagierter Dramatiker der deutschen Nachkriegsliteratur. Mit diesem Stück erzielte er einen internationalen Erfolg.
Es wurde mit dem amerikanischen Theater- und Musicalpreis „Tony Award“ ausgezeichnet
.

B. Blaes

 Szene aus der berühmten Peter Brook-Inzenierung/Verfilmung

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