Weiss: Marat / Sade
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Weisss / Marat-Sade

Die Rollen

Ausrufer

Marat

de Sade

Corday

Duperret

Coulmier

Roux

Internierte

Der Inhalt

Der Autor

Dramaturgie

Die Presse

Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade

Der Marquis de Sade, der wegen seiner erotischen und politischen Schriften im Irrenhaus Charenton sitzt, hat ein Stück über die Ermordung Marats durch Charlotte Corday im Jahre 1793 geschrieben und inszeniert es im Waschsaal des Hospizes". Die Schauspieler sind Geisteskranke oder auch Leute, deren Ansichten in ruhestörender Weise von den im napoleonischen Staat zugelassenen abweichen und die deshalb - wie de Sade - in der Anstalt kaltgestellt sind. Sie führen das Stück vor anderen Insassen und dem Personal auf.

Kennzeichnend für das Drama ist der ständige Wechsel der Spielebenen. Er entsteht dadurch, dass sich die Schauspieler aufgrund ihrer psychischen Konstitution nicht auf den Text konzentrieren. Zeitweise fallen sie in ihre eigene Gegenwart von 1808 oder in ihre Geisteskrankheit zurück, so dass die Szenen wiederholt werden müssen; zeitweise identifizieren sie sich so sehr mît ihrer Rolle, dass sich die revolutionären Gedanken der Gestalten verselbständigen bis zur Raserei. De Sade hat die Rollenträger so ausgesucht, dass ihre Krankheit die Übersteigerung oder das Zerrbild von Wesenszügen der jeweiligen historischen Gestalt ist, die sie darstellen. So vertreten sie die ideologischen Positionen der Revolutionszeit in plakativer, greller Übertreibung und entsprechend überdeutlich. Das veranlasst dann den Anstaltsleiter, Coulmier, sich einzumischen und von de Sade Rechenschaft zu fordern. Auf diese Weise entsteht im Theater gleichzeitig eine Vorstellung von den Stimmungen und Haltungen der Menschen in der Revolution (1793) und des Napoleonischen Kaiserreiches (1808). Die künstliche Verschachtelung ist schließlich dadurch fortgeführt, dass sich der Ansager mehrmals an die Zuschauer (von 1964) wendet. Der Wechsel der Spiel- und Zeitebenen, und was der Zuschauer daraus an Erkenntnissen gewinnt, ist der eigentliche Inhalt des Stückes; die Ermordung Marats ist nur ein mechanisch ablaufender Vorgang, der noch dazu mehrmals wiederholt werden muss, weil die Schauspieler aus der Rolle fallen.

Drei Denkhaltungen treten besonders in den Vordergrund: der revolutionäre Veränderungswille Marats, der skeptische Ästhetizismus de Sades und die obrigkeitshörige Vorsicht des Anstaltsdirektors Coulmier. Dabei lässt Weiss seine Wertung der ersten beiden in der Schwebe, während er Coulmier eindeutig negative Züge zuweist.

Weisss / Marat-Sade

Die Rollen

Ausrufer

Marat

de Sade

Corday

Duperret

Coulmier

Roux

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